Russland: Neue israelische Botschafterin wegen Kritik ins Außenamt vorgeladen

Russland: Neue israelische Botschafterin wegen Kritik ins Außenamt vorgeladen

Moskau bezeichnet ein Interview der neuen israelischen Botschafterin als „äußerst missglückten Start ihrer diplomatischen Mission“. Wegen „inakzeptabler Äußerungen“ wird sie nun ins russische Außenministerium einbestellt.

Russland: Neue israelische Botschafterin wegen Kritik ins Außenamt vorgeladen

 

Moskau bezeichnet ein Interview der neuen israelischen Botschafterin als „äußerst missglückten Start ihrer diplomatischen Mission“. Wegen „inakzeptabler Äußerungen“ wird sie nun ins russische Außenministerium einbestellt.
Quelle: AFP © ALEXANDER NEMENOV

Simonа Hаlperin, die neue Botschafterin Israels in Russland, die im Januar ihren Dienst in Moskau angetreten hat, wird vom russischen Außenministerium einbestellt. Dies bestätigte das Ministerium gegenüber der Nachrichtenagentur TASS. Grund für die Einbestellung seien „inakzeptable öffentliche Äußerungen der Botschafterin, die russische außenpolitische Ansätze und historische Realitäten verzerren.“

Im Zentrum der Kontroverse steht ein Interview mit der Zeitung Kommersant, in dem Hаlperin die russische Politik kritisiert hatte. Insbesondere bemängelte sie die russische Reaktion auf den Angriff der Hamas im Oktober 2023, der ihrer Meinung nach die strategische Bedeutung der Sicherheit Israels für Russland infrage stelle.

Obwohl die Muslimbruderschaft in Russland auf der Liste der verbotenen Organisationen stehe, fehle die Hamas, die als „palästinensischer Ableger der Muslimbruderschaft“ gelte, auf dieser Liste, kritisierte die Diplomatin.  Sie warf die Frage auf, warum sich Moskau nicht gegen eine Wiederholung von Anschlägen wie am 7. Oktober ausspreche. „In Russland heißt es, man verhandele über die Freilassung der Geiseln. Aber bald sind vier Monate vergangen, seit diese Menschen Geiseln sind und nicht freigelassen wurden“, sagte sie. Stattdessen würden „Hamas-Mitglieder in Moskau empfangen, umarmt und Teppiche vor ihnen ausgerollt.“

Auch zum Thema Holocaust äußerte sich Hаlperin:

„Ich verstehe nicht wirklich, warum Außenminister Sergei Lawrow die Bedeutung dieses ungeheuerlichen Ereignisses herunterspielt.“

Sie übte Kritik daran, dass der Internationale Holocaust-Gedenktag noch kein offizieller Tag im russischen Kalender sei. „Ich werde mit meinen russischen Kollegen darüber sprechen“, so Hаlperin.

Die Äußerungen der Botschafterin wurden vom russischen Außenministerium als „äußerst missglückter Start ihrer diplomatischen Mission“ bezeichnet. Ziel ihrer diplomatischen Mission sollte es sein, die Entwicklung der bilateralen Beziehungen im Interesse beider Länder zu fördern. Sie habe respektlos über die Bemühungen Russlands gesprochen, zur Aufklärung des Schicksals der Geiseln beizutragen. Überlegungen, den russischen Kalender zu ändern, grenzten an eine Einmischung in innere Angelegenheiten, hieß es.

Der Erste Stellvertretende Ständige Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen, Dmitri Poljanski, betonte, dass Moskau den Angriff auf Israel am 7. Oktober verurteile, aber eine ausgewogene Verurteilung fordere. Präsident Wladimir Putin hatte eine Woche nach dem Angriff der Hamas erklärt, Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung, er betonte aber die Notwendigkeit einer Verhandlungslösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt mit dem Ziel eines unabhängigen palästinensischen Staates.

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