Demontage von Egon Bahr: Warum wir diese emotionale Mobilmachung ablehnen Heidemarie Wieczorek-Zeul, Peter Brandt, Götz Neuneck

Demontage von Egon Bahr: Warum wir diese emotionale Mobilmachung ablehnen

Bahrs Entspannungspolitik war richtig. Die Kritik an ihr basiert auf historischen Kapriolen und Fehldarstellungen. Eine Replik auf Heinrich August Winkler und Gerhard Baum.

Demontage von Egon Bahr: Warum wir diese emotionale Mobilmachung ablehnen

Egon Bahr, 2010, Buchmesse Frankfurt. Bild: Markus Wissmann, Shutterstock.com

Bahrs Entspannungspolitik war richtig. Die Kritik an ihr basiert auf historischen Kapriolen und Fehldarstellungen. Eine Replik auf Heinrich August Winkler und Gerhard Baum.

Am 15. Juli 1963 hielt Egon Bahr, damals West-Berliner Senatspressesprecher, in der Evangelischen Akademie Tutzing eine Rede, in der die dortigen Ausführungen des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt zugespitzt wurden. Mit der Formel „Wandel durch Annäherung“ ist sie zu Recht als programmatische Einleitung einer spezifischen deutschen „Neuen Ost- und Deutschlandpolitik“ verstanden worden, angelegt als Teilelement einer neuartigen Entspannungspolitik der westlichen Allianz.

Vorbild John F. Kennedy

Diese war von John F. Kennedy in seiner Washingtoner Rede vom 10. Juni 1963 „A Strategy of Peace“ [1] angekündigt worden.

Der bekannte Historiker Heinrich August Winkler hat als politischer Publizist bereits in einem FAZ-Beitrag vom 10.7.2023 unter dem Titel „Der Tabubruch von Tutzing [2]“ eine neue Diskussion um Egon Bahr, der am 19. August 2015 verstorben war, initiieren wollen.

Winklers Polemik: Ostpolitik als Ursprung heutiger Krisen?

Winkler gilt zu Recht als bedeutender Historiker, agiert hier aber als politischer Publizist und das nicht ohne Polemik. Es geht ihm um vermeintliche Fehlentwicklungen der bundesdeutschen Russlandpolitik, die vorwiegend der Sozialdemokratie anzulasten seien. Jene haben in den Augen Winklers offenbar den bewaffneten Angriff der heutigen russischen Führung auf die Ukraine begünstigt.

Bahr vs. Merkel: Verantwortung für außenpolitische Krise

Dass zuvor Angela Merkel 16 Jahre das Kanzler-Amt innehatte – den größten Teil dieser Zeit im Bündnis mit der SPD – weist darauf hin, dass alle politischen und gesellschaftlichen Akteure Anlass hätten, ihre außenpolitische Rolle in der jüngeren Vergangenheit aufzuarbeiten. Aber anders als Winkler und andere suggerieren, liegen die Ergebnisse einer solchen selbstkritischen Rückschau keineswegs auf der Hand.

Bahrs Wirken findet viel Anerkennung

Jedenfalls hat Egon Bahr anlässlich seines 100. Geburtstags noch einmal parteiübergreifend von herausragenden Politikern und Wissenschaftlern verschiedener Ausrichtung für sein Wirken große Anerkennung erhalten, so u. a. von Bundeskanzler Scholz, Bundespräsident Steinmeier und, zum wiederholten Male, von Henry Kissinger, nachzulesen in dem Buch „… aber eine Chance haben wir“ (Dietz-Verlag, Bonn 2023) [3]. Weiterlesen bei telepolis.de

1 Kommentar zu Demontage von Egon Bahr: Warum wir diese emotionale Mobilmachung ablehnen Heidemarie Wieczorek-Zeul, Peter Brandt, Götz Neuneck

  1. Wie ein Historiker, wie August Winkler, den Einmarsch Russlands in der Ukraine völlig einseitig erklärt und jeden relevanten Geschichtsbezug leugnet, der muss sich einige Fragen stellen lassen. Insbesondere was von seiner Wissenschaft und Objektivität übrig geblieben ist. In der deutschen Geschichte hat es leider ähnliche Fälle gegeben.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*