Deutsche Muslime und Shoah: Bekenntnis zum Tätervolk? Von Charlotte Wiedemann

Deutsche Muslime und Shoah: Bekenntnis zum Tätervolk?

Sollen sich migrantische Menschen zu Täter-Nachfahren erklären, um dazuzugehören? Nein, sie haben andere Bezüge zur Shoah – gut so.

Deutsche Muslime und Shoah: Bekenntnis zum Tätervolk?

Von Charlotte Wiedemann

23. November 2023

Sollen sich migrantische Menschen zu Täter-Nachfahren erklären, um dazuzugehören? Nein, sie haben andere Bezüge zur Shoah – gut so.

Eine überwältigende Mehrheit redet sich die eigenen Vorfahren schön, Jubel in Berlin 1937 Foto: akg images/picture alliance

Wenn eine Nachfahrin von Versklavten nach Großbritannien einwandert, wird sie dadurch nicht zur Nachfahrin von Sklavenhändlern. Ein Algerier in Frankreich wandert nicht in die Verantwortung für seine eigene Kolonisierung ein und ein asiatischer Immigrant in Australien nicht in die Schuld an der Ausrottung der Aborigines.

Alle diversen Gesellschaften ringen mit der Frage, wie sich neu eingebrachte historische Prägungen zum Altbestand des Erinnerns und zur jeweiligen nationalen (weißen) Tätergeschichte verhalten. Deutschland ist also kein Einzelfall, doch hat das Thema hier besonderes Gewicht: zum ersten und unbestreitbar aufgrund der Monstrosität der NS-Verbrechen. Zum Zweiten aber, und hier wird es strittig, weil die deutsche Politik den Eindruck erweckt, migrantische Menschen könnten sich einen legitimen Aufenthalt im Land der Shoah nur durch geschichtspolitische Bekenntnisse erkaufen. Sie sollen sich, sofern nicht jüdisch, quasi zu Täter-Nachfahren umfigurieren.

Wer die Verantwortung für den Holocaust nicht tragen wolle – und dies sei angesichts der Schwere der Schuld verständlich –, solle darauf verzichten, in Deutschland leben zu wollen, las ich kürzlich bei einem Berliner Sozialdemokraten. Zugleich aber verfällt bei vielen alteingesessenen Deutschen in verstörendem Tempo das Bewusstsein für die NS-Geschichte, ablesbar an den Erfolgen der AfD wie an Umfragedaten. Eine überwältigende Mehrheit redet sich die eigenen Vorfahren schön; sie hätten nichts gewusst und nichts getan. Wird nun auf Migranten abgewälzt, was man selbst nicht mehr leisten will?Weiterlesen in taz.de

1 Kommentar zu Deutsche Muslime und Shoah: Bekenntnis zum Tätervolk? Von Charlotte Wiedemann

  1. Klar bekennen wir uns, nicht nur die deutschen Muslime! Wir bekennen uns zum illegalen Siedlungsbau, zum Bau einer „Trennmauer“ auf besetztem Gebiet, wodurch viele Palästinenser nicht mehr zu ihren Länderein kommen, wir bekennen uns zum seit Jahrzehnten andauernden Landraub, zur seit Jahrzehnten andauernden Vertreibung der Palästinenser durch die Besatzungsarmee und durch radikale jüdischen Siedler. Wir bekennen uns des weiteren dazu, das der jüdischen Staat sämtliche UN Resolutionen mißachtet und wir bekennen uns dazu, das der Besatzungsstaat knapp 2 Mio. Menschen in einem Gebiet, gerade mal so groß wie Hamburg, seit nun knapp 20 Jahren einsperrt. Wir bekennen uns dazu, das der jüdische Besatzungsstaat die IV. Genfer Konvention missachtet! Ach ja, Fragen zum Abschluss: Welches Isael sollen wir anerkennen? In welchen Grenzen? Mit einer Hauptstadt Jerusalem, welches Israel erst erobert, dann besetzt und später annektiert hat?

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