Die Reaktionen der internationalen Presse auf das Interview von Carlson Von Thomas Röper von Anti-Spiegel

Die Reaktionen der internationalen Presse auf das Interview von Carlson

Das Interview, dass Tucker Carlson mit dem russischen Präsidenten Putin geführt hat, hat in der internationalen Presse unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Interessant sind dabei die Kommentare in nicht-westlichen Medien, die zeigen, wie unterschiedlich der kollektive Westen und der globale Süden auf Russland und die Krise in der Ukraine blicken.

Putin-Interview

Die Reaktionen der internationalen Presse auf das Interview von Carlson

Das Interview von Tucker Carlson wurde in der internationalen Presse sehr unterschiedlich gesehen, wie eine Zusammenfassung zeigt.
Von Thomas Röper

Das Interview, dass Tucker Carlson mit dem russischen Präsidenten Putin geführt hat, hat in der internationalen Presse unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Interessant sind dabei die Kommentare in nicht-westlichen Medien, die zeigen, wie unterschiedlich der kollektive Westen und der globale Süden auf Russland und die Krise in der Ukraine blicken. Die russische Nachrichtenagentur TASS hat eine Zusammenstellung der internationalen Reaktionen veröffentlicht, die ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

„Russischer Präsident ist siegessicher“: Die weltweiten Medien über Putins Interview mit Tucker Carlson

Carlsons Besuch in Moskau fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Kämpfe in der Ukraine nach Ansicht westlicher Beobachter in eine Sackgasse geraten sind und sich das US-Establishment über die Hilfe für das Land uneinig zeigt

Das Interview des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem US-Journalisten Tucker Carlson, das in der Nacht zum 9. Februar veröffentlicht wurde, wurde zu einem wichtigen Thema in den in- und ausländischen Medien. In dem mehr als zweistündigen Gespräch sprach der russische Staatschef über die Militäroperation in der Ukraine und andere Aspekte der russischen Außenpolitik.

Die Reaktionen ausländischer Medien auf das Interview in der Auswahl der TASS.

USA

National Public Radio: „Nur wenige haben mehr als Carlson dazu beigetragen, dass der russische Präsident in republikanischen Kreisen bewundert wird… Putin dominierte das Gespräch, das mehr als zwei Stunden dauerte, und argumentierte, dass Russlands Recht auf die Ostukraine mehrere Jahrhunderte zurückreicht… Carlson stellte Putins Formulierung nicht in Frage.“

New York Times: „Herr Putin war direkter als sonst, was die Art und Weise betrifft, wie er sich das Ende der Invasion vorstellt: nicht durch einen militärischen Sieg, sondern durch eine Vereinbarung mit dem Westen.“

Wall Street Journal: „Das Interview kam zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Milliarden von Dollar an Hilfsgeldern für die Ukraine sind wegen der politischen Blockade im Kongress blockiert, und die russischen Streitkräfte kämpfen auf dem Schlachtfeld gegen die ukrainischen Streitkräfte, denen es an Munition und Waffen mangelt. … Das Interview gab Putin die Chance, seine Glaubwürdigkeit im eigenen Land zu stärken und zu zeigen, dass er den Westen noch dazu bringen kann, ihm zuzuhören“

Rolling Stone: „Das Interview von Tucker Carlson mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verlief genau so, wie es alle erwartet hatten, das heißt, es war weniger ein Interview als vielmehr eine Demonstration Putins, wie leicht er einen der prominentesten Vertreter der US-Medien für sich gewinnen kann. … Putin kam kaum ins Schwitzen, gab kaum nach, wenn ihm direkte Fragen gestellt wurden, und schien den Ton und das Tempo des Gesprächs von Anfang an zu kontrollieren. Er fühlte sich … wohl.“

Mexiko

TV-Sender N+: „Es wurde erwartet, dass Carlson in diesem Interview sehr hartnäckig Fragen über [den ehemaligen US-Präsidenten Donald] Trump, einen ihm sehr nahestehenden Politiker, stellen würde. Aber Putin konzentrierte sich nicht weiter auf Trump und gab damit keinen Anlass, wie befürchtet, seine Worte als Einmischung in die bevorstehenden US-Wahlen im November zu interpretieren.“

Großbritannien

Times: „Für Putin ist das Interview eine Gelegenheit, die Präsidentschaftskampagne des 81-jährigen Präsidenten [Joe] Biden, der Kiew stark unterstützt, zu verschärfen, was im Gegensatz zur Skepsis der Republikaner steht.“

BBC: „Der Kreml hofft, dass republikanische Abgeordnete nach dem Interview mit einem prominenten konservativen Sender aufmerksamer auf Moskaus Darstellung hören werden … Carlson unterhält auch eine lange und für beide Seiten vorteilhafte Beziehung zu Donald Trump, dem voraussichtlichen republikanischen Kandidaten [für die US-Präsidentschaft], der sich skeptisch über die Unterstützung der Ukraine geäußert hat. Carlsons Plattform stellt für den Kreml eine Gelegenheit dar, ein breiteres, möglicherweise wohlwollendes konservatives Publikum in den USA zu erreichen“

Financial Times: „Putins Äußerungen, die er während eines Interviews mit dem konservativen TV-Moderator Tucker Carlson machte, sind die bisher klarste Aussage über die russischen Bedingungen für die Freilassung eines 32-jährigen Journalisten des Wall Street Journal (Evan Gershkovich – Anm. TASS), der vor fast einem Jahr wegen Spionagevorwürfen inhaftiert wurde.“

Daily Mail: „Der russische Präsident behauptete sensationell, dass der frühere Premierminister [Boris Johnson aus Großbritannien] den Führer der stärksten ukrainischen Partei (den Fraktionsvorsitzenden der Diener des Volkes in der ukrainischen Werchowna Rada, David Arahamiya – Anm. TASS) von der Unterzeichnung [des Friedensabkommens] ‚abgebracht‘ habe.“

Deutschland

Handelsblatt: „Der Zeitpunkt für das Interview ist nicht zufällig gewählt. Donald Trump, dessen Unterstützer Carlson ist, will den amtierenden Präsidenten Joe Biden herausfordern. Der Medienrummel um Carlson kann nach Ansicht politischer Beobachter als Vorgeschmack auf die mediale Schlacht im Rahmen der US-Wahlen gewertet werden. Zugleich gibt er einen Hinweis darauf, in welche Richtung Trump die Außenpolitik seines Landes lenken wird, wenn er Ende des Jahres ins Weiße Haus einzieht.“

Frankfurter Rundschau: „Die Entscheidung des Kremls, dieses Interview zu geben, zeigt, dass Putin daran interessiert ist, Brücken zu Donald Trump und den Republikanern zu bauen. Es scheint die Hoffnung des Kremls widerzuspiegeln, dass Donald Trump wieder Präsident wird, während die Republikaner weiterhin die US-Militärhilfe für die Ukraine blockieren. Die Republikaner gelten als Putins natürliche Verbündete“

Berliner Zeitung: „Das Fehlen von Informationen über die Nord-Stream-Explosionen überrascht sowohl Carlson als auch Putin.“

ZDF: „Putin fühlt sich [während des Interviews] sichtlich wohl. Er versteht nicht, warum Deutschland [nach der Nord-Stream-Sabotage] untätig ist.“

NTV: „Der russische Präsident ist [in der Ukraine] siegessicher. Aber von einer weiteren Besetzung von Gebieten ist angeblich keine Rede, die ‚russische Bedrohung‘ sei eine Schimäre der NATO-Länder“.

Frankreich

Le Monde: „Der konservative amerikanische Fernsehmoderator Tucker Carlson hat am Dienstag, den 6. Februar, in Moskau vor laufender Kamera ein Interview mit Wladimir Putin geführt, das nicht nur formell war, sondern auch eine echte Werbung für den russischen Präsidenten.“

Spanien

El Pais: „Die Wahl des Zeitpunkts für diesen informativen Paukenschlag … scheint kein Zufall zu sein. Carlsons Besuch in Moskau fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Kämpfe in der Ukraine in eine Sackgasse geraten sind, und inmitten einer wachsenden Spaltung in der Republikanischen Partei über Putin, [die Militäroperation] und die Hilfe für die Ukraine.“

Schweden

Dagens nyheter: „Wladimir Putin und Tucker Carlson werden beide von dem Interview profitieren. Einigen Experten zufolge wird es Putin ermöglichen zu zeigen, dass er nicht völlig vom Westen isoliert ist.“

Vereinigte Arabische Emirate

Asharq Al-Awsat: „Das Gespräch des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem amerikanischen Fernsehmoderator Tucker Carlson wird jeden Journalisten vor Neid erblassen lassen. Es ist das erste große Interview des russischen Präsidenten seit [dem Beginn der Militäroperation]. Diejenigen, die argumentieren, dass sich niemand mit Putin treffen und ihn sprechen und sich an das amerikanische Volk wenden lassen sollte, lügen entweder oder verstehen nicht, was der journalistische Beruf bedeutet. Die Aufgabe von Journalisten ist es, ihre Emotionen beiseite zu lassen und auch denen zuzuhören, mit denen sie nicht übereinstimmen oder die sie hassen.“

Indien

News18 TV: „Putin verteidigte seine Entscheidung … vom Februar 2022 und fügte hinzu, dass der Westen nun begreife, dass Russland trotz westlicher Hilfe nicht besiegt werden wird. … Putins deutliche Äußerungen zur Ukraine fielen in eine Zeit, in der der US-Senat am Donnerstag ein 95,34 Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm vorschlug, nachdem die Republikaner ein Kompromissgesetz blockiert hatten, das eine lang erwartete Überarbeitung der Einwanderungspolitik vorsah. Der Gesetzentwurf zur Sicherheitshilfe sieht 61 Milliarden Dollar für die Ukraine in ihrem Kampf gegen Russland vor. Die Befürworter der Ukraine in den USA haben im vergangenen Jahr lange darum gerungen, der Regierung des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selensky mehr Geld zukommen zu lassen.“

Türkei

Hurriyet: „Das Interview des Journalisten Tucker Carlson mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hat in den USA für Aufsehen gesorgt.“

OdaTV: „In dem Interview in Moskau sagte Putin, Russland sei nach dem Ende des Kalten Krieges vom Westen getäuscht worden, und behauptete, eine aggressive NATO habe fünf Schritte der Osterweiterung unternommen. Nach dem Interview brach in den USA eine Kontroverse aus.“

Japan

Nikkei Shimbun: „Carlson steht dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump nahe, der sich zurückhaltend über die Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine äußert, und ist bei Konservativen beliebt. … Putin scheint zu versuchen, einen Keil in die öffentliche Meinung in den USA zu treiben, indem er einem Mann ein Interview gibt, der dem ehemaligen Präsidenten nahe steht, der der führende Kandidat der Republikaner bei den Wahlen im November ist. Der ehemalige Präsident [Trump] teilt eine wachsende Ansicht unter seinen Anhängern, die vorsichtig sind, was die Hilfe für die Ukraine angeht.“

Australien

The Australian: „Tucker Carlsons Interview mit [dem russischen Präsidenten] Wladimir Putin ist eine Gelegenheit für den russischen Präsidenten, die republikanische Opposition gegen eine weitere Hilfe für die Ukraine zu unterstützen.
Die russischen Truppen rücken auf dem Schlachtfeld vor, während die Ukrainer unter schwerem Munitions- und Waffenmangel leiden und zum Rückzug gezwungen sind. Vor diesem Hintergrund fordert Putin den Westen erneut auf, seine Unterstützung für die Ukraine zu beenden, und versichert, dass militärische Hilfe nur dazu dient, die Kampfhandlungen zu verlängern. In seinem Gespräch mit Carlson hatte der russische Präsident die Gelegenheit, dem Teil der amerikanischen Öffentlichkeit, der die republikanische Position unterstützt und die Hilfe für Kiew ablehnt, seine Ansichten mitzuteilen.
Das Interview mit Carlson gibt Putin auch die Gelegenheit, seine Glaubwürdigkeit im eigenen Land zu stärken und zu zeigen, dass er dem Westen noch immer Gehör verschaffen kann.“

Ende der Übersetzung

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