Gezielt getötet Von Karin Leukefeld, Beirut

Nahostkonflikt: Gezielt getötet

Die Kampfhandlungen im Südlibanon sind auch am Wochenende weitergegangen. Ein Journalist ist durch Beschuss der israelischen Armee getötet worden. Die Behinderung der Presse ist Teil der Kriegstaktik.

 

 
Große Anteilnahme: Der Journalist und Videofilmer Issam Abdallah wird am Sonntag in Beirut zu Grabe getragen
Aus: Ausgabe vom 16.10.2023, Seite 7 / Ausland
Nahostkonflikt

Gezielt getötet

Kriegsstrategie: Journalisten im Südlibanon von israelischem Militär angegriffen. Gegenseitiger Beschuss am Wochenende
Von Karin Leukefeld, Beirut
 Als Reaktion auf den Tod von Zivilisten im Süden des Libanon durch Beschuss der israelischen Armee hat die libanesische Hisbollah am Wochenende gezielt Vergeltung geübt. Nach Angaben der Organisation wurden an zwei verschiedenen Orten Stellungen der israelischen Armee sowie Kommunikations- und Überwachungseinrichtungen mit Panzerabwehrlenkraketen getroffen. Bereits am Sonnabend waren fünf israelische Militärstellungen von der Hisbollah angegriffen worden. Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für ihre Angriffe. Sie seien eine Antwort auf den anhaltenden Beschuss libanesischer Dörfer seitens der israelischen Armee, bei denen am Freitag und Sonnabend Zivilisten getötet worden waren. Zwei ältere Personen starben, als ihr Haus in Scheeba von der israelischen Armee beschossen worden war. Ein Journalist war am Freitag von der israelischen Armee getötet worden.

Ein Sprecher der israelischen Armee bestätigte die Angriffe und sprach von einem Toten und fünf verletzten Soldaten. Nach Angaben des Armeerundfunks waren bereits zuvor aufgrund »eines operativen Fehlers während militärischer Marine­aktivitäten nahe der Grenze zum Libanon« eine Soldatin getötet und ein Soldat verletzt worden. Die Bevölkerung in verschiedenen Siedlungen südlich der »Blauen Linie«, der Demarkationslinie zwischen Israel und Libanon, wurde aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. In der Siedlung Metulla sollten die Einwohner die Türen geschlossen halten, weil mit »Infiltrationen« zu rechnen sei. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag griff die israelische Armee libanesische Dörfer unweit der »Blauen Linie« aus der Luft und mit Artillerie an.

Am frühen Freitag abend war das Fahrzeug einer Journalistengruppe, die den ganzen Tag über entlang der »Blauen Linie« unterwegs gewesen war, gezielt von der israelischen Armee beschossen worden. Issam Abdallah, ein libanesischer Videofilmer der Nachrichtenagentur Reuters, wurde getötet, zwei weitere Journalisten von Reuters, zwei Journalisten von Al-Dschasira und ein AFP-Journalist wurden verletzt. Abdallah hatte einige Meter von dem Fahrzeug entfernt auf einer Mauer gesessen, um ein Livesignal mit seiner Kamera herzustellen, damit die Kollegen übertragen konnten, als er getötet wurde. Darauf wurde das Fahrzeug, das mit einer Satellitenschüssel auf dem Dach deutlich als Pressefahrzeug zu erkennen war, direkt beschossen und die anderen Journalisten verletzt. Auch sie waren klar mit Helm und Schutzwesten als »Presse« gekennzeichnet. Die israelische Armee erklärte, den »bedauerlichen Zwischenfall« zu untersuchen. Zu dem Zeitpunkt habe eine Gruppe Bewaffneter versucht, die Sperrmauer zu überwinden, hieß es.Weiterlesen bei jungewelt.de

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