Komplizen des Holocaust – Wie man den Krieg mit Kernwaffen plant von Hans-Peter Waldrich

Komplizen des Holocaust – Wie man den Krieg mit Kernwaffen plant

Die Ausgaben für Aufrüstung zu verdoppeln, forderte der Generalsekretär der Nato Jens Stoltenberg. Das gilt auch für Atomwaffen.

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Komplizen des Holocaust – Wie man den Krieg mit Kernwaffen plant

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Die Ausgaben für Aufrüstung zu verdoppeln, forderte der Generalsekretär der Nato Jens Stoltenberg. Das gilt auch für Atomwaffen. Ein Psychiater und eine Soziologe analysieren, welche seelischen Mechanismen den atomaren Wahnsinn befördern.

Zunächst die Tatsachen: Wettrüsten ist wieder angesagt. Entschlossenheit zählt. Wer bereit ist, nötigenfalls in den Krieg zu ziehen, hat die Zeitenwende begriffen. Erneut wagen wir uns an jene Grenze, die das Leben der Menschen um Stunden, vielleicht nur Minuten von einem Holocaust trennt. Denn Atomkriege eskalieren voraussichtlich schnell und enden – freilich weiß es niemand so genau  – in äußerst kurzer Zeit bis zur vollständigen Zerstörung.

Dann die Illusionen: Weil wir vergessen haben, was vor dreißig Jahren noch Allgemeingut war – die ungeheure Gefahr der nuklearen Konfrontation – tun wir so, als gehe uns die Atomwaffenfrage wenig an. Mit Nuklearwaffen wird gedroht, aber niemals gehandelt, meinen wir. Der Grundwiderspruch der Abschreckung, dass dauerndem Drohen auch einmal Taten folgen müssen, irritiert niemanden mehr, weil keiner darüber nachdenkt. Damit befinden wir uns in einer Situation, die viele Experten nuklearer Abschreckung als besonders gefährlich betrachten: Verschwindet die Furcht vor dem Atomkrieg, wird dieser selbst umso wahrscheinlicher. Unwissenheit und Gleichgültigkeit in dieser Sache befördern eine Haltung, die man als „Ausrottungsmentalität“ bezeichnet hat.

Ausrottungsmentalität? Gewiss eine harte Bezeichnung für einen schlimmen Zustand. Doch der prominente amerikanische Psychiater und Gewaltforscher Robert Jay Lifton besteht darauf, dass sie jene seelische Disposition von Menschen kennzeichnet, die Massen- und Völkermord bewusst oder unbewusst vorbereiten.[i] Zusammen mit dem Soziologen und ehemaligen Forschungsdirektor des Dänischen Zentrums für Holocaust- und Völkermordstudien Eric Markusen hat er vor Jahren ein Buch vorgelegt, das wieder hochaktuell ist.[ii] Für Lifton und Markusen ist Ausrottungsmentalität (genocide mentality) die Bedingung dafür, dass es schließlich zu Ereignissen wie dem Massenmord an Ethnien kommt oder dem Völkermord, der durch einen Atomkrieg ausgelöst würde. Atomare Abschreckung – so die beiden Forscher – setzt die kollektive Bereitschaft voraus, wenn es sein muss,  „ganze Völker – Abermillionen von Menschen – zu vernichten.“[iii] Die beiden Forscher sehen deutliche Parallelen zur Nazi-Zeit. Woher kommt diese Bereitschaft? Weiterlesen bei overton-magazin.de

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