„Zum Schweigen gebracht”

„Zum Schweigen gebracht“

(Eigener Bericht) – Der internationale Protest gegen die Absage einer Literaturpreisverleihung an eine palästinensische Autorin auf der Frankfurter Buchmesse schwillt an. Der Direktor der Buchmesse, Juergen Boos, hatte Ende vergangener Woche verfügt, „angesichts des Terrors gegen Israel“ könne das international hoch gelobte Buch „Eine Nebensache“ der Autorin Adania Shibli in Frankfurt nicht gewürdigt werden.

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Zum Schweigen gebracht”

 

Frankfurter Buchmesse gerät mit Absage von Literaturpreisverleihung an palästinensische Autorin international unter Druck und in Isolation: Nobelpreisträger protestieren, Autoren und Verlage reisen ab.

FRANKFURT AM MAIN (Eigener Bericht) – Der internationale Protest gegen die Absage einer Literaturpreisverleihung an eine palästinensische Autorin auf der Frankfurter Buchmesse schwillt an. Der Direktor der Buchmesse, Juergen Boos, hatte Ende vergangener Woche verfügt, „angesichts des Terrors gegen Israel“ könne das international hoch gelobte Buch „Eine Nebensache“ der Autorin Adania Shibli in Frankfurt nicht gewürdigt werden. Auch eine Diskussionsveranstaltung mit der Palästinenserin wurde gestrichen. Gegen die deutsche Maßnahme protestieren schon über 700 Schriftsteller, Übersetzer und Verleger aus aller Welt, darunter Nobelpreisträger sowie weitere weltbekannte Autoren: Kultur müsse „Verständnis und Dialog zwischen Kulturen“ fördern, heißt es in einem Protestbrief. Zudem ziehen sich Schriftsteller und Verlage aus der arabischen bzw. islamischen Welt von der Buchmesse zurück: Er wolle nicht mittragen, dass in Frankfurt „palästinensische Stimmen zum Schweigen gebracht werden“, erläutert ein ägyptischer Autor. Die Indienststellung kultureller Ereignisse zu Zwecken der deutschen Außenpolitik lässt sich bereits seit dem 24. Februar 2022 am Beispiel des Ausschlusses russischer Kultur beobachten; sie nimmt nun weiter zu.

„Eine furchtbare Gräueltat“

Die palästinensische Schriftstellerin Adania Shibli hatte ursprünglich am Freitag dieser Woche im Rahmen der Frankfurter Buchmesse den LiBeraturpreis entgegennehmen sollen. Der Preis wird jährlich von dem Frankfurter Verein LitProm an Schriftsteller aus Afrika, der arabischen Welt, Asien und Lateinamerika vergeben. LitProm-Vorsitzender Juergen Boos ist zugleich Direktor der Frankfurter Buchmesse. Der Roman „Eine Nebensache“, für den Shibli ausgezeichnet werden sollte, beschreibt, wie eine Einheit israelischer Soldaten im Jahr 1949 eine muslimische Beduinin verschleppte, vergewaltigte und ermordete. Er basiert auf historisch gesicherten Fakten, die vor ziemlich genau 20 Jahren die israelische Tageszeitung Haaretz aufdeckte. Israels erster Premierminister David Ben-Gurion nannte das Verbrechen eine „furchtbare Gräueltat“.[1] Shiblis Roman ist in mehrere Sprachen übersetzt worden; in den Vereinigten Staaten ist er von dem renommierten Verlag New Directions Publishing veröffentlicht und 2020 in die Endauswahl des National Book Award aufgenommen worden. Es gibt kritische Stimmen zu dem Buch; allerdings wurde es, wie Beobachter allgemein konstatieren, „von der Literaturkritik … überwiegend gelobt“.[2]

Doppelte Absage

Die Entscheidung, die Preisverleihung an Shibli abzusagen, ist Ende vergangener Woche von der Buchmesse ohne Rücksprache mit der Autorin bekanntgegeben worden. Zur Begründung hieß es, „angesichts des Terrors gegen Israel“ könne man das Buch in Frankfurt nicht mehr würdigen.[3] Stattdessen werde man, da die Buchmesse „mit voller Solidarität an der Seite Israels“ stehe, nun „jüdische und israelische Stimmen … besonders sichtbar machen“, kündigte Direktor Boos an. Eine ursprünglich zusätzlich zu der Preisverleihung geplante Diskuss

 

ionsveranstaltung mit Shibli sowie ihrem Übersetzer Günther Orth dagegen sagte die Buchmesse ebenfalls ab. Weiterlesen bei german foreign policy

Der slowenische Philososph Slavoj Zizek nahm sich in seiner Eröffnungsrede zur Buchmesse die Freiheit, sich nicht nur von den Verbrechen der Hamas zu distanzieren, sondern auch den historischen Kontext zu beleuchten.

Uwe Becker versuchte ihn zu unterbrechen (jedenfalls tat er so) und betrat die Bühne. Jedenfalls tat er so. Das Bild dazu s.u. Link / focus.de

Einige haben während der Rede den Saal verlassen. 

Slavoj Zizek: Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse 2023

Ab Minute 1:35:40

 

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