Der WDR hat vor Beginn der Eskalation ein Interview mit Putin verhindert Thomas Röper Anti-Spiegel

Der WDR hat vor Beginn der Eskalation ein Interview mit Putin verhindert

Nun wurde bekannt, dass das auch Anfang Februar 2022 passiert ist. Der deutsche Journalist Hubert Seipel hatte, während der Streit um die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine eskalierte, dem deutschen Staatssender WDR angeboten, ein Interview mit Putin über das Thema zu führen.

Zensur und Propaganda

Der WDR hat vor Beginn der Eskalation ein Interview mit Putin verhindert

Der Journalist Hubert Seipel hat dem WDR vor Beginn der Eskalation in der Ukraine angeboten, ein Interview mit Putin zu machen. Der WDR hat das verhindert und den Deutschen so die Möglichkeit genommen, die Argumente beider Seiten zu hören.
 

Thomas Röper

Für alle, die Russland nicht kennen, mag es sich absurd anhören, aber es ist Fakt: In Russland sind die Menschen politisch weitaus besser informiert als im Westen, weil die russischen Medien stets auch die Argumente des Westens nennen und kein Problem damit haben, auch westliche Politiker ungekürzt zu Wort kommen zu lassen. Außerdem dürfen westliche Journalisten bei Pressekonferenzen russischer Regierungsvertreter ungehindert Fragen stellen, während russische Medien zu Pressekonferenzen westliche Regierungsvertreter oft nicht einmal zugelassen werden.

Das Tal der Ahnungslosen

Im Westen hingegen werden vom gewollten Narrativ abweichende Argumente schon lange verschwiegen und inzwischen – siehe das Verbot russischer Medien – sogar zensiert und verboten. Das ist übrigens der Grund, warum mein erstes Buch „Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“ im Jahr 2018 sofort ein Bestseller wurde, obwohl der Anti-Spiegel und ich damals noch weitgehend unbekannt waren: Ich habe in dem Buch einfach nur Putin ungekürzt zitiert und den deutschen Lesern so zum ersten Mal auf Deutsch die Möglichkeit gegeben, ungefiltert zu erfahren, wie die russische Regierung argumentiert und welche Standpunkte Putin vertritt.

Ich habe in dem Buch geschrieben, dass man Putin nicht mögen muss, aber man muss wenigstens wissen, welche Argumente er vorbringt und welche Standpunkte er vertritt, um die Entscheidung treffen zu können, ob man ihm zustimmt oder nicht. Und genau das ist das Problem in Deutschland, denn in Deutschland werden die Argumente der „Gegner“, also beispielsweise Russlands oder Chinas, einfach verschwiegen.

Nun wurde bekannt, dass das auch Anfang Februar 2022 passiert ist. Der deutsche Journalist Hubert Seipel hatte, während der Streit um die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine eskalierte, dem deutschen Staatssender WDR angeboten, ein Interview mit Putin über das Thema zu führen. Offenbar hatte Seipel das Einverständnis des Kreml dazu, denn Seipel hat für die deutschen Staatssender in der Vergangenheit schon einige Interviews mit Putin geführt.

Der WDR verhindert Putin-Interview

Der Spiegel berichtet darüber unter der Überschrift „Umstrittener Journalist – Seipel bot ARD kurz vor Kriegsbeginn erneut Putin-Interview an“ und in der Einleitung heißt es:

„Kurz vor dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wollte der Filmemacher Hubert Seipel den Kremlherrscher wieder interviewen. Doch der WDR verhinderte das.“

Man muss wissen, dass es für die Spiegel-Redaktion positiv ist, in so einer Situation ein Interview mit Putin zu verhindern. Das ist für sich genommen schon ein Skandal, denn gerade in einer Situation, in der ein Krieg droht, ist es doch besonders wichtig, dass Medien ihre Leser und Zuschauer so umfassend wie möglich informieren. Und dazu gehört nun einmal, dass man auch den „Gegner“ zu Wort kommen lässt.

Stammleser des Anti-Spiegel wissen, warum die westlichen Medien es mit aller Macht verhindern, dass ihr Publikum die russischen Argumente ungefiltert erfährt, denn ich habe viele Reden und Pressekonferenzen von Putin und Lawrow übersetzt, die zeigen, dass Russland gute Argumente hat, die das westliche Narrativ in Frage stellen und die Menschen zum Nachdenken bringen könnten. Und meine ungezählten Übersetzungen aus russischen Medien zeigen auch, dass die russischen Medien die westlichen Argumente und Standpunkte keineswegs verschweigen, sondern sie ausführlich zitieren, ihnen allerdings widersprechen.

Was das deutsche Publikum nicht erfahren sollte

Russland hat vor der Eskalation in der Ukraine einige Schritte unternommen, um eine friedliche Lösung zu finden. Darüber haben die deutschen Medien jedoch nicht berichtet. Das Publikum der deutschen Medien wusste nichts von den gegenseitigen Sicherheitsgarantien, die Russland der NATO und den USA im Dezember 2021, also zwei Monate vor der Eskalation, vorgeschlagen hat und die der US-geführte Westen Ende Januar 2022 abgelehnt hat.

Was Russland damals vorgeschlagen hat, können Sie hier nachlesen. Tun Sie das und fragen Sie sich, ob das wirklich die russischen Vorschläge wirklich so unannehmbar waren, dass sie die hunderttausenden Toten wert sind, die der Ukraine-Konflikt inzwischen gefordert hat.

Das Publikum der deutschen Medien wusste auch nichts davon, dass Deutschland und Frankreich die Umsetzung des Minsker Abkommens im November 2021, also drei Monate vor der Eskalation, offiziell abgelehnt haben.

Das waren nur Beispiele dafür, was die deutschen Medien ihrem Publikum damals alles verschwiegen haben (und bis heute verschweigen). In dieser Situation, in der die westlichen Medien die Öffentlichkeit im Februar 2022 auf die angeblich grundlose russische Aggression gegen die angeblich so unschuldige Ukraine eingeschworen haben, wäre es aus Sicht der westlichen Propaganda natürlich eine Katastrophe gewesen, wenn Seipel mit Putin ein Interview geführt hätte und Putin all dies ausführlich erklärt hätte. Das galt es zu verhindern, denn ansonsten wäre es schwieriger geworden, Russland und Putin als gewissenlose Aggressoren und Kriegstreiber dazustellen.

Der Spiegel feiert Zensur

Der genannte Spiegel-Artikel ist, wenn man das alles weiß, ziemlich dreist. Gleich der erste Absatz ist für jeden, der sich um freie Meinungsäußerung und die Freiheit sorgt, sich umfänglich und unbeschränkt zu informieren – beides sind übrigens Menschenrechte gemäß Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte -, eine Zumutung. Der Spiegel schreibt:

„Das Angebot, das man ablehnen musste, ging Anfang Februar 2022 ein: Hubert Seipel, renommierter Filmemacher und angeblicher Russland-Kenner, sei gerade drei Tage im Kreml gewesen, hieß es. Er habe die Möglichkeit, den Präsidenten Wladimir Putin für die ARD zu interviewen. Ob Interesse bestehe?“

Warum „musste“ man das Angebot ablehnen? Die Antwort ist klar: Man wollte verhindern, dass die Deutschen vom westlichen Narrativ abweichende Informationen bekommen.

Der Spiegel-Artikel ergeht sich dann in einer detaillierten Beschreibung von Nachrichten, die sich die Verantwortlichen beim deutschen Staatssender geschrieben haben, um das Interview in jedem Fall zu verhindern. Und der Spiegel stellt das so dar, als sei es etwas ganz Tolles, den Deutschen Informationen vorzuenthalten. Um das zu unterstreichen, bezeichnet der Spiegel Putin als „Autokrat“ und „Despot“. Und wer will schon einen „Autokraten“ und „Despoten“ zu Wort kommen lassen, denkt sich der Spiegel-Leser.

Ich will aus dem Artikel weiter zitieren, aber ich vermute, dass das Problem sogar noch größer ist. Die Verantwortlichen kannten die russische Position wahrscheinlich selbst nicht, sie haben das Interview verhindert, weil es bei den westlichen Medien inzwischen üblich ist, mit Menschen, die abweichende Meinungen haben, gar nicht mehr zu reden und sie auch nicht zu Wort kommen zu lassen.

Das ist der große Unterschied zu Russland, denn in Russland – ich wiederhole mich – kennt jeder Interessierte die Positionen des Westens im Detail, weil die russischen Medien darüber berichten, ohne etwas wegzulassen. Russische Medien hätten es damals (und übrigens auch heute) nicht abgelehnt, ein langes Interview mit US-Präsident Biden oder Bundeskanzler Scholz zu zeigen, wenn die denn bereit wären, mit russischen Journalisten zu sprechen.

Die vielbeschworene angebliche Presse- und Informationsfreiheit im Westen ist in Wahrheit ein System zur Unterdrückung abweichender Meinungen, wie dieses Beispiel einmal mehr zeigt.

Unterwürfige Journalisten?

Seipel wird in dem Artikel auch vorgeworfen, Putin gegenüber „unterwürfig“ zu sein und ihm keine kritischen Fragen zu stellen. Das will ich nicht kommentieren, denn dazu kann sich jeder Deutsche seine eigene Meinung bilden, indem er Seipels Interviews mit Putin anschaut, die man problemlos im Netz finden kann.

Es ist allerdings geradezu lustig, dass Journalisten des deutschen Staatsfernsehens diesen Vorwurf machen, denn für kritische Interviews mit deutschen Politikern sind die nun wirklich nicht bekannt. Wenn man jemandem Unterwürfigkeit vorwerfen kann, dann den Journalisten der deutschen Mainstream-Medien. Ich erinnere nur an das letzte Sommerinterview mit dem deutschen Bundeskanzler Scholz, bei dem die Fragen des Journalisten des deutschen Staatsfernsehens so derartig unterwürfig waren, dass sich sogar die englischsprachigen westlichen Medien darüber lustig gemacht haben.

Aber auch davon hat das deutsche Publikum von seinen Medien nichts erfahren.

Seipel wird inzwischen vorgeworfen, von Russland bezahlt zu werden. Das mag sein und würde seine Unabhängigkeit in Frage stellen, allerdings lassen sich deutsche Journalisten ebenfalls großzügig von der deutschen Regierung und sogar dem deutschen Geheimdienst BND bezahlen, was die deutschen Medien aber natürlich ebenfalls verschweigen.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Dass die deutschen Medien sich inzwischen dafür feiern, ihrem Publikum Informationen verheimlicht zu haben, lässt sehr tief blicken.

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