In Gedenken an Clemens Messerschmid einem leider viel zu früh verstorbenen Freund und Mitstreiter.

In Gedenken an Clemens Messerschmid einem leider viel zu früh verstorbenen Freund und Mitstreiter.

 Sein Einsatz und Sachverstand  wird uns und Palästina fehlen.  Er starb auch in Palästina.Clemens Messerschmid lebte in Ramallah und arbeitete und forschte sei über 20 Jahren in den besetzten palästinensischen Gebieten. Er war in internationalen Wasserprojekten und als Berater für verschiedene Organisationen tätig. Evelyn Hecht-Galinski

Hier ein paar ein paar unvergessene Erinnerungen an Clemens Messerschmid

Clemens Messerschmid

Clemens Messerschmid, (Jahrgang 1964) hat in München und Aachen Geologie und Hydrogeologie studiert und ist von Beruf Hydrogeologe. Er lebt und arbeitet seit 17 Jahren in den besetzten palästinensischen Gebieten vor allem im Westjordanland (West Bank). Seine Haupttätigkeit besteht in der Erkundung, Erschließung und Nutzung der örtlichen Grundwasserressourcen zumeist im Rahmen von internationalen Projekten.

NRhZ
Online-Flyer Nr. 590  vom 30.11.2016

Hydrogeologe Clemens Messerschmid zum Kampf um Wasser in Palästina


Ich versuche, Wut zu erzeugen – Empört Euch!


Im Gespräch mit Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

2017 jährt sich die israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete zum 50sten Mal. Seit dem Abschluss der Oslo-Abkommen, die zum Ziel innerhalb einer Interimszeit von 4 Jahren (1995 bis 1999) die Gründung eines palästinensischen Staates projektieren, ist der Friedensprozess ohne Fortschritt – im Gegenteil. Die palästinensischen Bewohner der Westbank sind einer Civil Administration genannten, der israelischen Militärbesatzung zugehörigen Willkür-Herrschaft ausgeliefert, die weltweit ohne Beispiel ist. Besonders deutlich wird die Abhängigkeit der palästinensischen Bevölkerung beim Thema Wasserversorgung, speziell der Versorgung mit Trinkwasser. Der mit Abschluss des Oslo-II-Abkommens zugesicherte Bedarf an Trinkwasser wurde nicht nur nicht eingehalten – er wird bis heute, also 20 Jahre später – unterschritten. Wenn darüber – was so gut wie nie der Fall ist – in den Leitmedien berichtet wird, ist die Aufregung groß. Und wie Kenner der Szene wissen, sind aufschlussreiche Informationen seitens des Israelischen Staates generell unerwünscht. Im Oktober und November bereiste der in Ramallah lebende, aus München stammende Hydrogeologe Clemens Messerschmid die Bundesrepublik mit seinem Vortrag: Bis zum letzten Tropen. Die palästinensische Wasserkrise.

Clemens Messerschmid (Foto: arbeiterfotografie.com)

Frage: In Deutschland ist es inzwischen weithin üblich, Israel kritische Veranstaltungen – selbst von jüdischen Referenten – durch eine aggressive Lobby entweder zu verunmöglichen, oder zumindest durch Störungen zu beeinträchtigen. Wie ist es Dir während Deiner Vorträge ergangen?

Clemens Messerschmid: Ich benutze Daten aus offiziellen israelischen Quellen, dagegen können die Antideutschen nichts sagen. Was sollen sie denn sagen? Israel lügt? Bei diesem Thema haben sie schlechte Karten.

2013 gab es ein Papier der Aktion 3. Welt Saar über das Hilfsbusiness der NGOs in Palästina, das am 20. Dezember der TAZ beigelegt wurde. Es bezieht sich auf den Amnesty-International Bericht von 2009 „Troubled Waters – Palestinians denied fair access to water“ (auch auf deutsch erschienen), der wiederum in Folge des Weltbankberichts 2009 erschien. Hiermit können die Freunde Israels nur schwer leben. Du hast Dich mit dieser Flugschrift intensiv auseinandergesetzt und Falschdarstellungen – auf teils süffisante Art – widerlegt (1).

Die im wesentlichen behandelten fünf Punkte kommen von der israelischen Hasbara, das heißt wörtlich Erklärung. Es handelt sich um ein eigenes Ministerium, ein Propaganda-Ministerium. Die  Darlegung entstand als Reaktion auf den Weltbankbericht (Report No. 47657-GZ WEST BANK AND GAZA ASSESSMENT OF RESTRICTIONS ON PALESTINIAN WATER SECTOR DEVELOPMENT 2009). Da hat Israel begonnen, hat erkannt, oh, oh, da haben wir eine Lücke Es wurde ein Papier verfasst „Water Issues between Israel and the Palestinians“, das strotzte schon vor Lügen. Es stellte sich heraus, dieses Papier wurde von Haim Gvirtzmann geschrieben. Der ist Hydrologe an der Hebrew-University in Jerusalem – also von meinem Fach – und der ist mein Nachbar. Der ist nämlich Hardcore-Siedler aus Dolev. Es sind inzwischen die Siedler, die die Wasserberichte für die israelische Regierung schreiben. Die lügen wie gedruckt. Es ist so, dass diese Veröffentlichungen der Hasbara, also von der israelischen Botschaft, vom Außenministerium und von den ganzen Israel-Lobbygruppen DIG, Antideutsche – das kann man an den Zahlen erkennen –, dass sie genau deren Zahlen verwenden. Und das Ulkige ist, dass sie diese Zahlen falsch verwenden, weil sie sie nicht verstehen, und dann wird es peinlich für sie. Wenn man es umrechnet, wieviel Liter pro Tag und Kopf dabei herauskommen, sind das völlig verrückte Zahlen, weil sie nicht nachrechnen. Es vielleicht gar nicht können, die Grundrechenarten nicht beherrschen.

Was gab es sonst an Erfahrungen auf Deiner Vortragsreise?

Alle Vorträge liefen super. Die Leute, die kamen, waren unglaublich interessiert, hatten unglaublich viel Geduld, obwohl ich endlos lange rede, und sie waren unheimlich gefesselt. Ich hab ja ein sehr gutes und aufmerksames Publikum. Viele haben sich bedankt. Und – wie gesagt – die Antideutschen haben sich ferngehalten. Es gab eine Person in Ulm, die ist gleich aufgestanden und gegangen, als ich die Zahlen (bezogen auf den Jordan) vorgelegt habe, der sagte „Lüge“, aber die Angaben über den Jordanausfluss stammen vom hydrologischen Dienst von Israel, HSI.

Gab es Medienberichte?

Am meisten in Ulm, da hatte die Deutsch Israelische Gesellschaft DIG Flugblätter in mehrfachen Ausgaben geschrieben und behauptet, ich operiere mit falschen Zahlen, ich sei kein Wissenschaftler, ich verschweige alles, und ich rufe zum Judenmord auf. Die haben keinerlei Hemmungen. Ich habe das Beispiel gebracht, dass der Journalist Ulrich Sahm mich 100%ig falsch zitiert hat.

Worum ging es?

Ich hatte mit Sahm (der in Bremen meinen Vortrag aufgesucht hat) vor einem Jahr einen Schriftwechsel zu Gaza, da gibt es öfter Überflutungen, die führen zu Katastrophen in diesem übervölkerten Streifen. Es gab Gerüchte auch in vielen arabischen Zeitungen, die Israelis hätten Schleusen und Dämme geöffnet, um die Bevölkerung zu überfluten. Sahm hat mich angeschrieben – ich kannte ihn damals noch gar nicht – und ich habe geantwortet: wissen Sie, ich kenne mich da nicht aus, mit Gaza habe ich noch nicht so viel gearbeitet, und was auf der israelischen Seite passiert, weiß ich nicht. Ich kenn keinen solchen Damm. Dann hat er wieder geschrieben und ich habe geantwortet, was wollen sie von mir, ich kenne mich da nicht aus und kann dazu nicht arg viel sagen. Dann hat er mir Sachen verdreht, und ich habe gemerkt, wo es hingeht. Darauf habe ich ihm geantwortet, damit keine Gerüchte aufkommen, ich behaupte NICHT, dass Israel Schleusen öffnet, um Gaza zu überfluten. Nach der Tagesschau-Sendung (Interview des Bayerischen Rundfunks, Studio Tel Aviv, gesendet im August 2016 über Wasserknappheit am Beispiel der Stadt Salfit (2) hat der Sahm in verschiedenen Sendungen kolportiert – und es wurde immer weiter zitiert von den Antideutschen – der Messerschmid behauptet, die Israelis würden extra Schleusen öffnen, um Gaza zu fluten. Und das trifft mich wirklich, denn da geht es an meine wissenschaftliche Kompetenz. Wenn ich Quatsch behaupten würde, das wär peinlich. Und ich sage immer, wir müssen nicht übertreiben, nehmen wir sogar noch die untertriebenen Zahlen von Israel, die sind doch schlimm genug. Ich argumentiere immer konservativ. Ich nehme im Zweifel immer die niedrigeren Zahlen, weil die eh schlimm genug sind. Das ist meine Herangehensweise. Aber die Antideutschen wollen ja nicht ernsthaft diskutieren.

Was gab es Positives, neue Ideen…

Nicht wirklich. Die Leute sind manchmal etwas überfordert. Die Palästina-Bewegung ist extrem schwach. Der erste Punkt ist, dass der Vortrag von mir sehr gut ankommt. Ich versuche eine Wut zu erzeugen, dass die Leute sagen, das ist ja wirklich eine Sauerei. Da muss man was tun. Dabei versuche ich, die Wut auch gegen die Bundesregierung zu kanalisieren. Damit die Leute sagen, wir müssen nicht erst nach Israel gehen, wir können gegen die Berliner angehen. Da müssen wir kämpfen, das ist die urdeutsche Aufgabe. Dann ist auch der ganze Vorwurf mit Antisemitismus weg. Dann geht es um die eigene Regierung. Das ist mein Ansatz. Das ist ein Weg, da müssen wir noch viel mehr dran arbeiten. Die Vorträge haben den Effekt, dass die Leute gestärkt raus gehen. Dass sie das Gefühl haben, ich hab jetzt was verstanden, und ich kann jetzt solchen Anfeindungen begegnen. Allein diese Rückenstärkung finde ich total wichtig.

Du beziehst Dich in Deinem Vortrag insbesondere auf die in den Sand gesetzten Milliarden Hilfsgelder aus Deutschland und der EU, Brunnen, die nicht gebaut werden können. Vorhaben aus dem Oslo-Vertrag, die nicht umgesetzt werden, weil die Bundesregierung gegen die Besatzungsmacht mit ihren militärischen Erlaubnisscheinen, die sie regelmäßig – und sei es für die Reparatur von Brunnen – verweigert, nicht interveniert. Die Menschen fühlen sich in ihrem Engagement bestätigt…

Aber nur blind sich bestätigt fühlen ist zu wenig. Man muß informiert sein. Man darf nicht einknicken. Ich sage immer, die Antideutschen sind gar nicht stark. Was stark ist, ist die Angst vor den Antideutschen. Es sind ein paar Kläffer, es sind ein paar schlaue Köpfe dabei, und dann ganz viele Dummköpfe, die nachplappern. Die haben nicht die Macht im Staat. Hallo!? Aber alle, die was zu sagen haben, haben Angst vor dem Antisemitismus-Vorwurf. Und da fehlt das Rückrat.

Gab es über Deine Vortragsreise Berichte in den Mainstream-Medien? Oder in linken Medien?

Bisher gar nicht. Es sorgt für keine große Aufregung. Für Aufregung hat nur einmal etwas gesorgt, und das war der Bericht in der Tagesschau. Weil das ein Leitmedium ist, Mainstream. Da sind alle alarmiert oder auch – wow – fasziniert. Wenn irgendwo eine kleine Gruppen an einem Ort etwas macht, ist das noch nicht Aufsehen erregend. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber die sind selten. Zum Beispiel in Ulm hat wegen dem Konflikt um mein Auftreten und diese Aktivitäten der Deutsch Israelischen Gesellschaft die südwestdeutsche Presse zwei oder drei ziemlich gute Artikel geschrieben, vor der Veranstaltung ein Interview mit mir gemacht, dann noch einmal die Sichtweise der Gegenseite und der Veranstalter dargelegt, und auch nach der Veranstaltung ziemlich gut darüber berichtet.

Gibt es politische Hoffnung was Parteien angeht?

Es gibt einige Leute in der Linkspartei, die an dem Thema arbeiten. Und leider muss man sagen – was ich berichtet habe über deutsche Wasserprojekte – sind alle anderen Parteien schon in der Regierung gewesen, und da gibt es fast keinen Unterschied. Das ist Wall-to-Wall-Konsens: bloß nicht Israel ärgern, bloß nicht irgendetwas gegen Israel sagen. Staatsräson! Und die gilt von grün bis schwarz.

Für wen arbeitest Du jetzt?

Ich bin Freelancer, aber im Augenblick arbeite ich hauptsächlich an meiner Doktorarbeit. Die muss ich endlich fertig kriegen. Ansonsten arbeite ich für alle. Ich habe für Engländer, Amerikaner, Japaner, Franzosen, Spanier, Holländer gearbeitet. Für Polen noch nicht. Für Deutsche, für Österreich, für Schweizer… Ich müsste 15 Jahre passé gehen lassen, für wen ich noch nicht gearbeitet habe…

Worin genau besteht Deine Tätigkeit in der West Bank?

Ich mache einerseits technische Arbeit als Hydrogeologe. Es geht um Wasserressourcen. Da wissen die Leute, ich bin Spezialist. Dann mach ich mehr und mehr auch hydro-politische Arbeit. Auch Studien, z.B. für die PLO, für Wasserverhandlungen. Hintergrundstudien, die sind auch technisch, aber da geht es ganz stark auch um die Frage der Taktik. Letztendlich können wir das Problem nur politisch lösen. Wir müssen natürlich technisches Wissen haben, ganz wichtig. Aber auf einem Bein werden wir nicht vorankommen. Wir brauchen beide Beine. Und so arbeite ich.

Wir bedanken uns und wünschen weiterhin viel Erfolg!

Noch  dieses Interview vom August 2016, mit Charlotte Silver von  Electronic Intifada, mit Clemens Messerschmid führte

Israel’s hydro-apartheid keeps West Bank thirsty

Water shortages are not new for Palestinians. Whether in the occupied Gaza Strip or the West Bank including East Jerusalem, the supply of water flowing into Palestinian homes is strictly capped or obstructed by Israel. As temperatures climb during the summer, taps run dry.

Palästinenser sammeln am 27. Juni im Westjordanland Dorf Salfit Wasser aus einer Quelle. Die Dorfbewohner waren tagelang ohne Wasser, da die von den israelischen Besatzungsbehörden verursachte chronische Versorgungsknappheit in vielen Teilen des Gebiets anhält. Nedal Eshtayah APA-Bilder

Israels Wasser-Apartheid hält das Westjordanland durstig

Charlotte Silver, Electronic Intifada  1. August 2016

Wasserknappheit ist für die Palästinenser nichts Neues. Ob im besetzten Gazastreifen oder im Westjordanland einschließlich Ostjerusalem, die Wasserversorgung der palästinensischen Haushalte wird von Israel strikt gedeckelt oder behindert.

Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, bleiben die Wasserhähne trocken. Clemens Messerschmid, ein deutscher Hydrologe, der seit zwei Jahrzehnten mit Palästinensern an deren Wasserversorgung arbeitet, nennt die Situation „Hydro-Apartheid“.

In diesem Jahr veröffentlichte die israelische Journalistin Amira Hass Daten, die belegen, dass die israelische Wasserbehörde die Wasserlieferungen an Dörfer im Westjordanland reduziert hat.

In einigen Orten wurde die Versorgung um die Hälfte gekürzt. Ihre Aufzeichnungen widersprechen den offiziellen Dementis, dass die Wasserversorgung palästinensischer Städte und Dörfer im Sommer gekürzt wird, obwohl auch das nicht neu ist.

Städte und kleine Dörfer waren in diesem Sommer bis zu 40 Tage lang ohne fließendes Wasser, so dass diejenigen, die es sich leisten können, gezwungen waren, Wassertanks heranzuschleppen.

Als Israel 1967 das Westjordanland besetzte, erlangte es auch die Kontrolle über den Westbank Mountain Aquifer, die wichtigste natürliche Wasserreserve des Gebiets.

Mit den Osloer Vereinbarungen der frühen 1990er Jahre erhielt Israel 80 Prozent der Wasserreserven des Aquifers. Die Palästinenser sollten die verbleibenden 20 Prozent erhalten, aber in den letzten Jahren konnten sie aufgrund israelischer Beschränkungen ihrer Bohrungen nur auf 14 Prozent zugreifen.

Um den Mindestbedarf der Bevölkerung zu decken, ist die Palästinensische Behörde gezwungen, den Rest des Wassers von Israel zu kaufen. Aber selbst dann ist es nicht genug.

Israel ist nur bereit, eine begrenzte Menge Wasser an die Palästinenser zu verkaufen. Infolgedessen verbrauchen die Palästinenser weit weniger Wasser als die Israelis, und zwar ein ganzes Drittel weniger als die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Menge von 100 Litern pro Person und Tag für den Hausgebrauch, Krankenhäuser, Schulen und andere Einrichtungen.

The Electronic Intifada sprach mit Clemens Messerschmid, der seit 1997 im Westjordanland und im Gazastreifen im Wassersektor tätig ist, über die konstruierte Wasserknappheit für Palästinenser im Westjordanland.

Charlotte Silber: Ist die Wasserkrise im Westjordanland auf die Wasserknappheit vor Ort zurückzuführen? Oder ist die Knappheit künstlich herbeigeführt?

Clemens Messerschmid: Natürlich gibt es keine Wasserknappheit im Westjordanland. Worunter wir leiden, ist eine induzierte Knappheit – man nennt das die Besatzung. Das ist das Regime, das den Palästinensern unmittelbar nach dem Krieg im Juni 1967 aufgezwungen wurde.

Israel regiert durch militärische Befehle, die das unmittelbare und beabsichtigte Ergebnis haben, die Palästinenser in Wasserknappheit zu halten. Es handelt sich dabei nicht um eine fortlaufende, schrittweise Enteignung wie bei Land und Siedlungen, sondern um einen einmaligen Akt durch den Militärbefehl Nr. 92 im August 1967.

Im Westjordanland gibt es reichlich Grundwasser. In Salfit im nördlichen Westjordanland, das heute für besonders harte Wassereinbrüche bekannt ist, gibt es hohe Niederschlagsmengen.

Das Westjordanland ist mit einem Schatz an Grundwasser gesegnet. Aber das ist auch sein Fluch, denn Israel hat es sofort nach der Übernahme der Kontrolle ins Visier genommen.

Was wir brauchen, ist einfach: Grundwasserbrunnen, um diesen Schatz zu erschließen. Die israelische Militärverordnung Nr. 158 verbietet jedoch strikt das Bohren und alle anderen Wasserwerke, einschließlich Quellen, Leitungen, Netze, Pumpstationen, Bewässerungsbecken, Wasserreservoirs, einfache Regenwasserzisternen, die den auf das Dach fallenden Regen auffangen.

Alles ist von der Zivilverwaltung, dem israelischen Besatzungsregime, verboten oder besser gesagt nicht „erlaubt“. Sogar für die Reparatur und Wartung von Brunnen sind militärische Genehmigungen erforderlich. Und die bekommen wir einfach nicht.

Es ist ein einfacher Fall von Hydro-Apartheid – weit mehr als jedes andere Regime in der Geschichte, das mir bekannt ist.

CS: Israel hat die Wassermenge, die es den Palästinensern verkauft, erhöht, aber das reicht immer noch nicht aus, um zu verhindern, dass die Dörfer trocken fallen. Abgesehen von der Tatsache, dass Israels Kontrolle über die Ressourcen des Aquifers sehr problematisch ist, warum verkauft Israel den Palästinensern nicht genug Wasser?

CM: Israel hat zunächst einmal die Wassermenge, die den Palästinensern zur Verfügung steht, drastisch reduziert. Es hat jeglichen Zugang zum Jordan verhindert, der jetzt am Tiberias-See buchstäblich leergepumpt wird.

Außerdem schreibt Israel eine Quote für die Anzahl der Brunnen vor und verweigert routinemäßig Genehmigungen für dringend benötigte Reparaturen alter Brunnen aus der jordanischen Zeit – Jordanien verwaltete das Westjordanland von 1948 bis zur israelischen Besetzung -, insbesondere für landwirtschaftliche Brunnen. Das bedeutet, dass die Zahl der Brunnen ständig schrumpft. Wir haben weniger als 1967.

Das Einzige, was zugenommen hat, ist die Abhängigkeit vom Kauf von Wasser von den Enteignern, Israel und Mekorot, Israels nationaler Wassergesellschaft.

Darüber wird in der westlichen Presse immer wieder berichtet, denn es ist der Punkt, den Israel betont: „Seht ihr, wie wohlwollend wir sind?

Ja, seit Oslo sind die Käufe von Mekorot stetig gestiegen. Ramallah erhält jetzt 100 Prozent seines Wassers von Mekorot. Kein einziger Tropfen kommt aus einem unserer Brunnenfelder.

Die Versorgung der Dörfer durch Israel geschah nicht aus Gefälligkeit. Sie wurde 1980 von Ariel Sharon, dem damaligen Landwirtschaftsminister, initiiert, als das schnelle Siedlungswachstum begann. Die Wasserversorgung wurde „integriert“, um die Besatzung unumkehrbar zu machen.

Wichtig ist hier die strukturelle Apartheid, die in diesen Rohren zementiert und in Eisen gegossen ist. Eine kleine Siedlung wird über große Fernleitungen versorgt, von denen sich kleinere Leitungen abzweigen, um in palästinensische Gebiete zu führen.

Israel ist mit Oslo sehr zufrieden, denn nun sind die Palästinenser für die Versorgung „verantwortlich“. Verantwortlich, aber ohne einen Hauch von Souveränität über die Ressourcen.

Die derzeitige so genannte Wasserkrise ist überhaupt keine Krise. Eine Krise ist eine plötzliche Veränderung, eine neue Wendung oder ein Wendepunkt in der Entwicklung. Die Unterversorgung der Palästinenser ist gewollt, geplant und sorgfältig ausgeführt. Die „Sommerwasserkrise“ ist das zuverlässigste Merkmal des palästinensischen Wasserkalenders. Und die Menge des jährlichen Regens bzw. der Dürre hat keinerlei Einfluss auf das Auftreten und das Ausmaß dieser „Krise“.

Ich möchte betonen, dass, egal wie regelmäßig dies geschieht, es in jedem einzelnen Fall eine bewusste Entscheidung eines Bürokraten oder eines Büros in Israel oder der Zivilverwaltung ist. Jemand muss auf das Feld gehen und das Ventil an der Abzweigung zum palästinensischen Dorf zudrehen. Dies geschah, wie jeden Sommer, Anfang Juni. Daher – die Wasserkrise im Westjordanland.

CS: Welche Faktoren könnten für die Verschärfung der Wasserknappheit in diesem Jahr verantwortlich sein?

CM: Es scheint, dass der Bedarf der Siedler seit dem letzten Jahr drastisch gestiegen ist. Die israelische Wasserbehörde stellte einen um 20 bis 40 Prozent höheren Bedarf fest, was recht bemerkenswert ist.

Alexander Kushnir, der Generaldirektor der Wasserbehörde, führt dies auf die Ausweitung der Bewässerung durch die Siedler in den Bergen der Siedlungen im nördlichen Westjordanland, rund um Salfit und Nablus, zurück.

CS: Wie kommt es, dass die Menschen im heutigen Israel Berichten zufolge einen Überschuss an Wasser haben, seit das Land mit der Entsalzung begonnen hat, während die Menschen unter der Besatzung im Westjordanland so wenig haben? Sogar israelische Siedler haben Berichten zufolge mit Wasserkürzungen zu kämpfen.

CM: Es stimmt, dass Israel vor einigen Jahren zum ersten Mal erklärt hat, dass es eine überschüssige Wasserwirtschaft hat und daran interessiert ist, mehr Wasser an seine Nachbarn zu verkaufen, denen es in erster Linie das Wasser entzogen hat.

Die Palästinenser kaufen bereits Wasser, das Israel gestohlen hat, aber wie bereits erwähnt, nicht zuverlässig oder zu ausreichenden Preisen.

Offen gesagt, ich weiß es nicht. Woher kommt dieser besondere, gesteigerte und verschärfte Wunsch Israels, nicht einmal genügend Wasser an das Westjordanland zu verkaufen?

In einigen Gebieten wird Wasser aktiv als Waffe zur ethnischen Säuberung eingesetzt, wie im Jordantal. Die Landwirtschaft war vom ersten Tag der Besatzung an ein Ziel.

Aber diese Logik gilt nicht für die dicht besiedelten palästinensischen Städte im so genannten Gebiet A des Westjordanlandes, die immer noch zu kämpfen haben. Nach 20 Jahren ist mir das immer noch ein Rätsel.

Ein weiteres Element ist wichtig zu verstehen: Israel muss den Palästinensern ständig eine Lektion erteilen. Jede Wasserbeschaffung, jeder gelieferte Tropfen sollte als großzügiger Gefallen, als Akt der Barmherzigkeit, nicht als Recht verstanden werden.

Israel hat die Wasserverkäufe an das Westjordanland von 25 Millionen Kubikmetern pro Jahr im Jahr 1995 auf jetzt etwa 60 Millionen Kubikmeter pro Jahr erhöht. Warum verkauft es nicht viel mehr? Es könnte es sich wassertechnisch sicherlich leisten – es hat einen gigantischen Überschuss.

Eines der wesentlichen Probleme, die ich erkennen kann, ist die Frage des Preises und damit der Bedeutung des Wassers.

Israel will schließlich den höchsten Preis für entsalztes Wasser erzielen, das es an die Palästinenser verkauft. Es geht zwar nur um ein paar hundert Millionen Schekel pro Jahr [ein paar zehn Millionen Dollar] – was für Israel nicht viel ist -, aber Israel will die Debatte über die palästinensischen Wasserrechte ein für alle Mal beenden.

Israel verlangt nichts weniger als eine vollständige Kapitulation: Die Palästinenser sollten zugeben, dass das Wasser unter ihren Füßen nicht ihnen, sondern für immer dem Besatzer gehört.

Mit der Forderung nach vollen Preisen für entsalztes Wasser würden die Palästinenser eine neue Formel anerkennen und ihr zustimmen.

Ein Wort zum Gaza-Streifen: Im Gegensatz zum Westjordanland gibt es im Gaza-Streifen keine physische Möglichkeit des Zugangs zu Wasser. Der begrenzte und dicht besiedelte Streifen kann sich niemals selbst versorgen. Dennoch erhält der Gazastreifen keine solchen Wasserlieferungen von Israel. Erst vor kurzem hat Israel begonnen, die in Oslo vereinbarten fünf Millionen Kubikmeter pro Jahr an Gaza zu verkaufen. Eine winzige kosmetische Erhöhung ist in Kraft getreten.

In gewisser Weise könnte man diese unterschiedliche Behandlung von Gaza und dem Westjordanland als israelisches Eingeständnis einer gewissen hydrologischen Abhängigkeit interpretieren.

Israel bezieht den Großteil seines Wassers aus den 1967 eroberten Gebieten, einschließlich der syrischen Golanhöhen, aber keinen Tropfen aus dem Gazastreifen.

Was das Wasser betrifft, so hat Gaza Israel keine Ressourcen zu bieten. Dies gilt auch für die wichtigste Ressource: Land. Daher wurde 1967 von Anfang an ein ganz anderer Ansatz gegenüber dem Gazastreifen verfolgt. Israel ist in keiner Weise materiell von Gaza abhängig. Seit Oslo verlangt Israel, dass sich der Gazastreifen mit eigenen Mitteln versorgt, zum Beispiel durch Meerwasserentsalzung.

CS: Wie haben sich die Geberländer bei all dem verhalten? Haben sie die weltweiten Mindeststandards für die Wasserversorgung verteidigt oder haben sie Israels Kontrolle über die Wasserressourcen im besetzten Westjordanland bekräftigt und gestärkt?

CM: Leider das Letztere. Als Oslo begann, hatten wir alle die Illusion, dass eine Phase der Entwicklung beginnen würde. Brunnen, die 28 Jahre lang nicht gebohrt werden durften, würden endlich in Betrieb genommen werden.

Bald erfuhren wir, dass Israel in Wirklichkeit nie bereit war, „Genehmigungen … für die Ausweitung von Landwirtschaft oder Industrie zu erteilen, die mit dem Staat Israel konkurrieren könnten“, wie der damalige Verteidigungsminister Yitzhak Rabin 1986 sagte.

Damals wie heute – und das wusste jeder – war politischer Druck erforderlich, um die in den palästinensisch-israelischen Vereinbarungen garantierten Mindestgenehmigungen für Bohrungen zu erhalten. Dieser Druck wurde nie ausgeübt. Weder die EU noch meine deutsche Regierung haben auch nur eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der sie die Behinderungen im Wassersektor „bedauern“ oder „bedauern“. Dies ist ein echter Skandal.

Aber schlimmer noch, was war unsere westliche Antwort darauf? Alle von Gebern finanzierten Projekte haben den lebenswichtigen Bereich der Brunnenbohrung aufgegeben. Der letzte von Deutschland finanzierte Brunnen wurde 1999 gebohrt.

Was die aktuelle so genannte Wasserkrise betrifft, so sind wir als Geber nun damit beschäftigt, anachronistische Wassertankanlagen in den abgeschnittenen palästinensischen Städten großzügig zu finanzieren – und damit den Status quo der Besatzung und der Wasser-Apartheid anzupassen und zu stabilisieren. Übersetzt mit Deepl.com

 

Nachruf auf Clemens Messerschmid

Der Hydrogeologe Clemens Messerschmid ist im Februar 2023 im Alter von 58 Jahren verstorben.
Unser Mitglied Nirit Sommerfeld schreibt über seine wichtige Arbeit und seine einzigartige Persönlichkeit.

Bis zum letzten …

Fassungslos, traurig und wütend sind wir über den Verlust des Hydrogeologen Clemens Messerschmid, der am 8. Februar in seiner geliebten Wahlheimat Palästina, in ‚seiner‘ Stadt Ramallah, verstorben ist. Fassungslos, weil er viel zu jung, viel zu lebendig, viel zu plötzlich und unerwartet gegangen ist; traurig, weil er eine Lücke – nein, einen Krater hinterlässt in unseren Herzen und unseren Hoffnungen, der mit Trost nicht aufzufüllen ist; und wütend, weil wir keine Gelegenheit mehr haben, ihn zu packen, zu schütteln und ihm ins Gewissen zu reden: Achte endlich mehr auf Dich und Deine Gesundheit! Lass Deine Kerze im Kampf für Recht und Gerechtigkeit für die Palästinenser nicht von beiden Seiten abbrennen! Du machst Deine Arbeit ohnehin gewissenhaft, Du musst nicht immer wieder über Deine eigenen Grenzen gehen bis zum letzten Quäntchen Energie, das Dir zur Verfügung steht.

Aber er wäre nicht Clemens Messerschmid – der sturköpfige, aufrechte, kämpferische Wasser-Experte, der überzeugte Kommunist und Marxist, der wissbegierige Analyst, der wahrheitsbesessene Wissenschaftler – wenn er nicht seine Grenzen bis zum Äußersten ausgereizt hätte. An seiner Seite war ein ruhiges Leben nicht denkbar, weder im privaten noch im beruflichen Umfeld. Ihm reichte seine Lebenszeit niemals aus. Wenn er sich eine Meinung gebildet hatte, die immer fundiert war, konnte er darüber trefflich streiten. Er ließ nicht locker, bis alle Argumente durchdiskutiert, analysiert, bis ins letzte Detail beleuchtet und mit penetranter Starrköpfigkeit auf ihren Wahrheitsgehalt hin hinterfragt waren, gerne bis tief in die Nacht hinein bei ein, zwei Gläsern Wein und ungezählten Zigaretten.

„Bis zum letzten Tropfen“ – das war der Titel seines Vortrags, den er seit Jahren im deutschsprachigen Raum vor kleinen und größeren Gruppen hielt. Als ausgewiesener Spezialist in allen Wasserfragen, explizit vertraut mit jeder Facette von Grundwasser, Regenwasser, Wasserverbrauch und vor allem der politischen Dimension der Wassernutzung in Palästina und Israel konnte Clemens Messerschmid wie kein anderer komplizierte Zusammenhänge verständlich erklären. Erst 2022 promovierte er, nachdem er 25 Jahre in Palästina geforscht und gearbeitet hatte. In seine Doktorarbeit flossen Erkenntnisse ein über die Grundwasserneubildung im palästinensischen und israelischen Grundwasserbecken im Westjordanland ein, dem sogenannten Aquifer.

Der wesentliche Kern seiner Arbeit, der eng verknüpft war mit naturwissenschaftlicher Forschung, aber weit über sie hinausging, ist die politische Interpretation seiner Erkenntnisse. Von ihm konnten wir lernen, dass in Ramallah mehr Regen fällt als in Berlin und dass der Wasser-„Mangel“ in Wirklichkeit ein „Wasser-Mythos“ ist. Wir begriffen, warum der Jordan-Fluss in der besetzten palästinensischen Westbank austrocknet, wenn die Wüste auf israelischem Staatsgebiet „zum Blühen“ gebracht wird. Er lieferte uns erweiterte Kenntnisse und Analysen zur Kolonisierung durch Wasser, was bis dato wenig erforscht war; er lehrte uns, wie die Militärbesatzung durch ihren Raub von Wasser das tägliche Leben der Besetzten bestimmte. Er analysierte wissenschaftlich präzise, geradezu mit pedantischer Akribie die systematische Diskriminierung der Palästinenser durch Israels staatlich gelenkte Wasserentnahme und prägte den Begriff der Hydro-Apartheid.

Seine letzte berufliche Herausforderung war ein Projekt in der Westbank im Auftrag der Weltbank, das 2022 begann und das er nun nicht zu Ende bringen konnte. Daneben arbeitete er immer wieder mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen, deren Stipendiat er gewesen war, beriet eine Doktorandin an der Birzeit University bei Ramallah, gab Interviews, schrieb Gutachten, besprach Podcasts und installierte Wassertanks für palästinensische Bauern. Er bot sich stets als solidarischer Unterstützer an, wie etwa im März 2019, als dem Verein Jüdische Stimme der Göttinger Friedenspreis verliehen wurde, was damals im Kontext von Kontokündigung, Diffamierung und Rückzug von Räumen und Geldern zu bundesweiten Protesten führte. Clemens kam eigens nach Göttingen angereist und brachte ein Gedicht mit, das er zu diesem Anlass verfasst hatte. Am liebsten hätte er es selbst bei der Veranstaltung vorgetragen, mit seiner tiefen, kräftigen Stimme, seinem bayerisch-grantlerischen Ton und seinem tiefgründigen, nicht selten sarkastischen Humor, der ihn ebenso auszeichnete wie seine Ernsthaftigkeit und Tiefe, ja auch pedantische Verbissenheit, mit der er berufliche und politische Themen anging.

Clemens war nicht nur der „Wassermann“, wie ihn vor allem seine palästinensischen Freunde und Weggefährten liebevoll nannten, für die er eine leuchtende Leitfigur war. Er war auch ein „Lebemann“. Er liebte ausschweifende Gespräche, intellektuellen Austausch und nicht zuletzt gutes Essen – am besten alles in Kombination. Dabei spielte sein großes Lebensthema – Wasser als Grundrecht, als politische Waffe und als Schlüssel zur Gerechtigkeit – in jeder Lebenssituation, in jedem noch so privaten Gespräch eine Rolle. Die Diskriminierung der Palästinenser durch Israels Wasserpolitik, diese so offensichtliche Ungerechtigkeit, machte ihn rasend und trieb ihn an, nicht locker zu lassen und seine politischen Forderungen mithilfe seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse zu untermauern und zu publizieren und sich auch zu anderen Themen der Besatzung zu äußern. Seine palästinensischen Freunde gaben ihm daher den Ehrentitel „deutscher Palästinenser“, aber eigentlich wird ihm das nicht ganz gerecht. Denn Clemens war ein echter Internationalist, dem alles Nationalistische zuwider war. Er pochte auf internationale Solidarität und träumte von einem Land zwischen Mittelmeer und Jordan (und vielleicht auch anderswo), in dem alle Menschen friedlich zusammenleben.

Seine große Liebe für diese Region begann 1997, als er 33-jährig für ein deutsch-palästinensisches Wasserprojekt der GTZ nach Palästina kam. Seine Affinität zu Israel hatte er sicher schon als Sprössling einer gut situierten, kultivierten Intellektuellenfamilie entwickelt, in die er am 5. April 1964 in München hineingeboren wurde. Sie gab ihm ein fundiertes Geschichtsbewusstsein mit und prägte seine tiefe Abscheu gegenüber dem dunklen Kapitel deutscher Nazi-Herrschaft und seiner Implikationen bis in die Gegenwart. Sein Studium begann er in München und setzte es in Aachen fort, wo er zehn Jahre blieb und von dort aus die Welt bereiste. Diese Reisen schärften seinen Blick für Kolonialismus und seine Folgen, für die strukturellen Bedingungen, die zu Armut und Ausbeutung führen, und bestärkten ihn darin, sich für die Ärmsten, die Entrechteten, die Ungehörten einzusetzen. In Palästina führten seine Forschungen zur Wassersituation dazu, dass er ein tiefes Verständnis und Mitgefühl entwickelte für das Unrecht, das den Palästinensern widerfährt. Er machte keinen Hehl daraus, dass er sich auf ihre Seite stellte, sich für sie einsetzte – so wie er sich immer mit jenen verbunden fühlte, die unter Unterdrückung und Diskriminierung leiden. Aber er war kein Sozialromantiker: Er kritisierte auch die palästinensische Seite, ihre korrupte Führung und ihre gesellschaftlichen Strukturen.

Am 8. Februar 2023 verstarb Clemens Messerschmid nach einem Herzinfarkt in seiner Wohnung in Ramallah. Er hinterlässt seine 90-jährige Mutter, seine Schwester Dorothee, seine Lebensgefährtin Kerstin und zahllose Freunde, Gefährten, Kollegen, Genossen und Mitstreiter (-innen). Wir vermissen ihn schmerzlich – als Freund, dessen Solidarität und Unterstützung wir uns immer sicher waren; als Experten, der mit inhaltlicher Präzision unbestechlich dem Wasser und der Wahrheit auf der Spur war; als Partner und Genossen, als tief verwurzelten Linken, als kritischen, klaren Geist, der sein Leben bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Flackern seiner ausgehenden Kerze kompromisslos den Unterdrückten widmete und uns damit ein großes Vermächtnis hinterlässt.

Am kommenden Donnerstag, den 16. Februar, veranstaltet die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Ramallah eine Feier zu Ehren und Gedenken an Clemens Messerschmid.

Die Urnenbeisetzung findet demnächst in München statt.

Hier einige Links:

Bis zum letzten Tropfen – Vortrag von Dr. Clemens Messerschmid in Wien (2021)
https://youtu.be/k2k1f61CO0w

Der ewige Kampf ums Wasser: ARD-Interview von (2017)
https://youtu.be/bE5GHfXjv44

Der Wassersektor im Gazastreifen, ein (un)lösbares Problem? (2020)
https://www.rosalux.de/news/id/42074/der-wassersektor-im-gazastreifen-ein-un-loesbares-problem

Interview: Kampf ums Wasser in Palästina (2020)
https://www.rosalux.de/news/id/41620/kampf-ums-wasser-in-palaestina

Hinweis der NDS: Hier finden Sie Gastbeiträge von Clemens Messerschmid auf den NachDenkSeiten

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