Rechtsradikale Regierung in Israel? ARD gibt verwirrter Moderatorin Chance zur Korrektur

Rechtsradikale Regierung in Israel? ARD gibt verwirrter Moderatorin Chance zur Korrektur

Eine „Nahostexpertin“ der ARD sollte den Tagesschau-Zuschauern die Bedeutung eines israelischen Gerichtsurteils erläutern. Sie sprach dabei von einer „rechtsradikalen Regierung“ Netanjahu. Wenige Sekunden später verlor sie irritiert den „roten Faden“, die Zuschaltung aus Tel Aviv wurde beendet. Bei einer zweiten Chance war ihre Wortwahl dann anders.

Rechtsradikale Regierung in Israel? ARD gibt verwirrter Moderatorin Chance zur Korrektur

 

Eine „Nahostexpertin“ der ARD sollte den Tagesschau-Zuschauern die Bedeutung eines israelischen Gerichtsurteils erläutern. Sie sprach dabei von einer „rechtsradikalen Regierung“ Netanjahu. Wenige Sekunden später verlor sie irritiert den „roten Faden“, die Zuschaltung aus Tel Aviv wurde beendet. Bei einer zweiten Chance war ihre Wortwahl dann anders.
© Screenshot: YT-Tagesschau

Die ARDTagesschau ist die älteste und meistgesehene Nachrichtensendung des deutschsprachigen Fernsehens und informiert an sieben Tagen in der Woche um 20 Uhr interessierte Bürger über subjektiv auserwählte Ereignisse des Tages. Hanna Resch wird als „Nahostexpertin“ tituliert und ist „feste Freie“ beim Bayerischen Rundfunk sowie seit August 2022 Mitglied des Bayerischen Journalisten-Verbands (BJV) (BJV-Report 06/22, Seite 46).

Am 1. Januar 2024 konnte die freie Journalistin in einer Live-Schaltung der Tagesschau ihre Sicht auf ein israelisches Urteil zur beabsichtigten umstrittenen Justizreform der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu darlegen. Der Beitrag musste jedoch abgebrochen werden, da Resch nach anfänglichen Erläuterungen inhaltlich ins Stocken kam. Am selben Tag erhielt sie in der Spätausgabe der Tagesschau dann eine zweite Chance für ihre Ausführungen. Mehr als auffälligerweise fehlte ein zuvor genutzter Begriff aus der 20-Uhr-Sendung.

In der Hauptausgabe erklärte Resch dem Millionenpublikum zum Gerichtsurteil wortwörtlich:

„Ja, tatsächlich ist dies ein herber Rückschlag für Netanjahu und seine rechtsradikale Regierung, was heute Abend passiert ist. Diese Entscheidung vom Gericht bezeichnen manche sogar als Eigentor, das sich Netanjahu da geschossen haben könnte. Schließlich haben die Richter entschieden, dass das Gericht das letzte Wort hat und eben nicht die Regierung (…).“

Ab diesem Moment scheint die Moderatorin zusehends irritiert bis verunsichert zu sein. Für die Zuschauer deutlich sichtbar trägt Resch einen „Knopf im Ohr“, das sogenannte „In-Ear Monitoring“ für mögliche Reaktionen hinter der Kamera. Nach wenigen weiteren erläuternden Sätzen informiert dann die Moderatorin: „Entschuldigung, jetzt muss ich mich tatsächlich kurz mal sammeln (…). Es tut mir leid, ich muss mich echt gerade sammeln.“ Dabei blickt sie weiterhin irritiert nach links unten und greift sich verlegen an den Hinterkopf.

Diese Sequenz ist in der YouTube-Version rausgeschnitten, wie auch das Ende durch den Studiomoderator, der die Live-Schaltung spontan mit dem Satz beendete: „Danke, Hanna Resch, es ist alles angekommen, wir haben alles verstanden, vielen Dank nach Tel Aviv.“ In der ARD-Mediathek wurde der Beitrag noch etwas weiter verkürzt, in beiden jedoch die Stelle „und seine rechtsradikale Regierung“ beibehalten.

Warum Resch komplett ihren inhaltlichen „roten Faden“ verlor, kann nur gemutmaßt werden, wie auch über die in den sozialen Medien unterstellte redaktionelle Einwirkung über das In-Ear Monitoring. In einer zweiten Chance im Rahmen der Tagesschau-Spätausgabe lautete dann die einleitende Analyse der Journalistin nach entsprechender Anmoderation und Frage aus dem Studio: „Wie reagiert Israel auf das Urteil?“:

„Nicht, und das ist wirklich verrückt, wenn man zurückdenkt, eben an diesen Sommer, an dieses Jahr, wo Hunderttausende Menschen für vierzig Wochen auf die Straßen gegangen sind (…).“

Resch erläutert dabei ausführlicher die aktuellen Befindlichkeiten und Gefühle der Israelis, weil „die Menschen hier noch einfach im Krieg sind. Leute vermissen ihre Angehörige, die im Krieg gefallen sind, die am 7. Oktober getötet worden (…) oder eben Soldaten sind“.

Der inhaltliche Verweis auf den Israel-Gaza-Krieg fehlte dabei in der 20-Uhr-Variante komplett. Die Studiomoderatorin bezeichnet dann die Regierung Netanjahu in einer Folgefrage an Resch lediglich als „umstritten“. Resch erläutert daraufhin länger die aktuelle „stark kritisierte“ Position und Wahrnehmung in der israelischen Gesellschaft zu Netanjahu und seiner Regierung im Kriegskonflikt, ohne dabei jedoch die Formulierung „rechtsradikal“ zu verwenden.

Im Interview mit dem BJV-Report aus dem Jahr 2022 gibt Resch – „In der Serie ‚die BJV-Newcomerin'“ – zu Protokoll:

„Deshalb wollten Sie Journalistin werden: Ich studierte ein Sommersemester in Palästina und bekam als 19-Jährige einen der vielen Gazakriege mit. Bei einer Demonstration starben viele Menschen, in Deutschland aber wurde darüber nichts berichtet. Das war das erste Mal, dass ich mir dachte: Das muss man doch erzählen! Ich kam allerdings nicht auf die Idee, dass ich solche Geschichten erzählen könnte (…).“

Der Grünen-Politiker Volker Beck, Geschäftsführer des „Tikvah Instituts“ und Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, reagierte im Rahmen zweier X-Postings empört auf Reschs Aussagen in der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau:

„Was stammelt denn dafür eine Reporterin aus Israel bei der Tagesschau. Nur Ressentiment (‚diese rechtsradikale Regierung‘), Fakten nicht durchdrungen, aber voll auf israelkritischer Linie. Ich bin auch gegen diese Justizreform. Aber das ist kein Journalismus.“

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