Bombenanschlag in Café in Sankt Petersburg: Bekannter Militärkorrespondent getötet

Bombenanschlag in Café in Sankt Petersburg: Bekannter Militärkorrespondent getötet

Im Zentrum von Sankt Petersburg wurde eine Explosion in einem Café gemeldet. Laut Medienangaben sind mindestens 25 Menschen verletzt und eine Person getötet worden. Der Tote ist der bekannte Militärkorrespondent Wladlen Tatarskij. Der Sprengsatz hat sich in einer Skulptur befunden, die an den Journalisten von einer Besucherin geschickt worden war, teilte RIA Nowosti mit.

Bombenanschlag in Café in Sankt Petersburg: Bekannter Militärkorrespondent getötet

Im Zentrum von Sankt Petersburg wurde eine Explosion in einem Café gemeldet. Laut Medienangaben sind mindestens 25 Menschen verletzt und eine Person getötet worden. Der Tote ist der bekannte Militärkorrespondent Wladlen Tatarskij.

Der Sprengsatz hat sich in einer Skulptur befunden, die an den Journalisten von einer Besucherin geschickt worden war, teilte RIA Nowosti mit. Der Anschlag ereignete sich in einem Café am Universitäts-Ufer im Zentrum von Sankt Petersburg. Eine Überwachungskamera hielt den Augenblick des Anschlags fest:

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden 24 Verletzte des Bombenanschlags in St. Petersburg in medizinische Einrichtungen gebracht, sechs von ihnen in ernstem Zustand, achtzehn in mittelschwerem und leichtem Zustand.

Der Sprengsatz hatte nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden eine Sprengkraft von mehr als 200 Gramm TNT. Ein Video aus dem Inneren des Lokals zeigte die verheerende Wirkung der Explosion: Tische und Stühle sind umgeworfen, das bislang einzige Todesopfer des Anschlags, der Militärblogger und Journalist Wladlen Tatarskij liegt in einer Blutlache.

Auch das russische Ermittlungskommitee hat ein Foto vom Tatort veröffentlicht.

Ermordet wurde Tatarskij während eines Treffens mit seinen Lesern. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden mindestens 80 Menschen im Café. Da die Veranstaltung von vielen Personen gefilmt wurde, tauchen nun immer mehr Details des Geschehens im Netz auf. So zeigt der Telegram-Kanal REN TV beispielsweise, wie die Statue an den Journalisten überreicht wurde. Sie soll ein Geschenk an ihn von einer Leserin gewesen sein.

Maxim Fomin, der das Pseudonym Wladlen Tatarskij angenommen hat, war 40 Jahre alt. Der Blogger stammte aus dem Donbass und lebte lange in Makejewka. Seit 2014 war er Mitglied der Volksmiliz. Im Jahr 2020 zog er nach Moskau, wurde Schriftsteller und veröffentlichte mehrere autobiografische Bücher.

Nach Beginn der russischen Militäroperation kehrte Fomin in den Donbass zurück und hielt sich seitdem fast ausschließlich im Kriegsgebiet auf, um von dort authentische Kriegsberichterstattung zu machen. Er führte seinen eigenen Telegram-Blog mit 567.000 Abonnenten, den letzten Eintrag hatte der Autor um 16:00 Uhr veröffentlicht.

Nach Angaben der Veranstalter, der Bewegung „Cyber Z Front“, befanden sich etwa 80 Personen in der Räumlichkeit.  „Alles war wie immer. Wir veranstalten ähnliche Events schon seit einem Jahr, es gab keinen Verdacht“, zitierte der Telegram-Kanal von Readovka einen der Gesprächspartner.

Weitere Augenzeugen sagten, dass Tatarskij und die junge Frau, die ihm die Statue geschenkt hat, einander kannten. „Die Übergabe kam mir aber komisch vor. In diesen Zeiten einer prominenten Person ein Geschenk zu überreichen … ich hatte ein ungutes Gefühl“, sagte ein Besucher dem News-Portal Mash.

Zahlreiche Freunde und Kollegen des Bloggers reagierten mit tiefer Bestürzung auf die Nachricht über seinen Tod. Der Militärkorrespondent Semjon Pegow (Projekt WarGonzo) schrieb im Namen seiner Redaktion:

„Wladlen hatte lange an der Front mit ukrainischen Nazis gekämpft. Er war an den heißesten Orten der Militäroperation gewesen und kam immer lebend heraus. Doch der Krieg fand ihn in einem Café in St. Petersburg.

Er glaubte mit ganzer Seele an den Sieg und setzte alles daran, ihn näher zu bringen. Es ist unsere moralische Pflicht, sein Andenken zu ehren und unsere gemeinsame Sache trotz unserer Feinde weiterzuführen. Keiner ist vergessen. Nichts ist vergessen.“

Nachtrag 22:15 Uhr:

Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax mit Verweis auf eine mit der Sache vertraute Quelle mitteilte, hätten die Strafverfolgungsorgane die in St. Petersburg lebende Darja Trepowa als Tatverdächtige festgenommen und einem Ermittler vorgeführt.

Die Ermittlungen gäben Grund zur Annahme, dass die 25-Jährige die Schachtel mit einer Büste von Tatarskij, in die ein Sprengsatz eingebaut war, in das Café gebracht hat, so die Quelle der Agentur. „Interfax hat noch keine offizielle Bestätigung für diese Information“, schränkte die Agentur ein.

Derweil stellen russische Telegram-Kanäle Videos von Überwachungskameras ins Netz, die den Moment zeigen, wie Trepowa die Schachtel in das Lokal „Patriot“, wo die Veranstaltung stattfand, hereinträgt.

Zwei von der Zeitung KP befragten Besuchern der Veranstaltung zufolge habe sich Darja dem Blogger während der Fragerunde als seine Followerin mit dem Namen Nastja vorgestellt. Sie sagte, sie sei Studentin einer Kunstschule und habe eine Büste von ihm gefertigt, diese sei aber als gefährlicher Gegenstand von der Wache nicht hereingelassen worden. Daraufhin habe Tatarskij erlaubt, die Büste auszupacken, und „Nastja“ eingeladen, einen Platz in seiner Nähe zu nehmen. Sie habe sich geweigert, setzte sich schließlich in einen Sessel vorne unweit des Fensters. Die Büste weckte Gelächter im Saal, weil sie vergoldet war und Tatarskij angeblich als einen Arbeiter mit Helm darstellte, und wurde von ihm zur Seite gelegt. Nach wenigen Minuten folgte dann die Explosion, die den nichts ahnenden Militärblogger in den Tod riss.

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