JAZZ 17_25
Die Neuen
Ein Kabinett auf dem Kriegspfad
Von Jürgen Scherer
- Mai 2025
Noch haben wir sie nicht, die „Deutschen Krieger“, wie sie der Potsdamer Militärhistoriker und Schreibtischbellizist Sönke Neitzel herbeisehnt. Aber das kann noch werden. Das Kabinett Merz hat sich nämlich vorgenommen, die von der Ampel vorgetretenen bellizistischen Pfade weiter auszubauen – nachhaltig. Denn in Merz‘ Kabinett sind noch ein paar mehr bekennende „Kriegsertüchtiger“ vertreten, die der Überzeugung sind, dass unser Land wieder Krieg können muss.
Da ein solches Projekt Zeit braucht, aber auch möglichst bald umgesetzt werden soll, bedarf es teils plumper, teils subtiler Methoden. Zu den eher plumpen gehört die Pflege des Klimas der Angstmache – in unserem Fall vor dem „Bösen Russen“!
Mit dessen Hilfe wurden schon Projekte angeschoben wie die Installierung von „Heimatschutztruppen“ in den Bundesländern oder die Erfindung von Sondervermögen zur Ankurbelung der Rüstungsproduktion oder die Wiedereinführung der Wehrüberwachung und des „Wehrdienstes“ für alle kriegstauglichen jungen Männer, wahlweise auch junger Frauen, wenn sie sich im Zuge der Gleichberechtigung vom „Abenteuer Militär“ angesprochen fühlen sollten.
In diesen Basics sind sich die schwarzroten Koalitionäre im Großen und Ganzen einig.
Was Wunder, wenn man bedenkt, welche Vergangenheiten die wichtigsten Koalitionschmiede mitbringen.
Beginnen wir mit Herrn Merz, dem neuen Bundeskanzler.
Er hat „gedient“, und zwar im Bereich Artillerie. Die Armee hat er als Fahnenjunker verlassen, also als jemand auf dem Pfad Offizierslaufbahn. Dass er damals ein bisschen etwas über den Einsatz von Fernwaffen erfahren und gelernt hat, scheint ihm genügend Zuversicht zu geben, um den Einsatz von Taurusmarschflugkörpern gegen Russland von ukrainischem Boden aus (mit maßgeblicher deutscher Unterstützung, versteht sich) als zielführend einschätzen zu können. Mal sehen, ob ihn die Reaktion der russischen Regierung ob solcher Pläne beeindrucken wird; schließlich hat die russische Regierung verlauten lassen, dass ein solcher Unterstützungseinsatz Deutschland zur Kriegspartei werden ließe – mit allen Konsequenzen für Deutschland…
Nr. 2 im Kabinett Merz ist der altneue Kriegsertüchtiger und Vorsteher „Verteidigungsministeriums“: Boris Pistorius.
Ebenfalls ein „Gedienter“, abgegangen als Obergefreiter, aber von den maßgeblichen Generälen in „seinem Ministerium“ als satisfaktionsfähig anerkannt. Der richtige Mann zur weiteren Umsetzung der derzeitigen Falkenpolitik: Aufrüsten, Bevölkerung auf Kurs bringen, alles vorbereiten zum großen Schlag gegen „das Böse“…
Nr. 3 ist der neue Außenminister Wadepfuhl (Bitte genau lesen: nicht Wadenbeißer), der, ehemaliger Zeitsoldat, mit einer Aussage von sich reden machte, die einen das Blut in den Adern gefrieren lassen können: „Die Russen werden immer unser Feind bleiben.“ Na dann…
(Nur mal so zur Erinnerung: Es gab da mal eine Vereinigung Deutschlands mit maßgeblicher Unterstützung der „Bösen Russen“!)
Nr. 4 in diesem Bunde ist ein „Nicht Gedienter“, der sich allerdings zum veritablen Bellizisten gewandelt hat: Lars Klingbeil, Förderer des Panzermuseums Munster und seit dem Terroranschlag 9/11 zum Soldatenversteher mutiert. Im Kabinett Merz Finanzminister, also auch Verteiler des Sondersondervermögens Aufrüstung, und Vizekanzler.
Dieses Bellizistenquartett wird immer wieder öffentlichkeitswirksam unterstützt vom bayrischen MP Markus Söder, in dessen Bundesland die Taurusmarschflugkörper produziert werden. Söder ist außerdem großer Fan von „Heimatschutztruppen“ und hat in den Koalitionsverhandlungen dafür gesorgt, dass sein CSU Kollege, der allseits bekannte Alexander Dobrindt, das Innenministerium (Bundesministerium des Inneren und für Heimat) bekommen hat; ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Das ist doch schon mal ein recht ansehnliches Sextett mit der Mission: Deutschland braucht KriegerInnen!
Im planerisch-strategischen Hintergrund wird der nicht weniger bellizistisch gesinnte Thorsten Frei wirken, nämlich als Chef des Bundeskanzleramtes und damit engster Vertrauter und Berater von Merz. Auch er ein ehemaliger „Gedienter“!
Das sind sie, die sieben wichtigsten „Kriegsertüchtiger“ innerhalb der neuen „Verantwortungskoalition“ für Deutschland.
Stellt sich die Frage: Wollen wir uns das wirklich bieten lassen? Eine Regierungsriege die sich u.a. von der Zielsetzung leiten lasst: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“.
Das hatten wir schon mal in unserer Geschichte-mit bekannt desaströsem Ausgang! Einem neuerlichen Experiment in dieser Richtung müssen wir uns alle mit allen Kräften entgegenstemmen. Denn ein „Tapferes Schneiderlein“, das uns mit seiner Erfahrung unterstützen könnte, ist – soweit ich sehe – nirgends in Sicht.
Jedenfalls brauchen wir keine „Deutschen KriegerInnen“!
Wir brauchen friedenstüchtige Menschen mit Lust auf Engagement für eine solidarische Gesellschaft, die den anderen Staaten eine gute Nachbarin sein will! Ein Land als Aufmarschgebiet für apokalyptische Visionen selbsternannter Weltenretter braucht kein Mensch.
Man kann es nicht oft genug betonen: Der Frieden ist der Ernstfall des Lebens! Nicht das Kriegern!
Sehr gut.Es kann einem bei diesem Kabinett nur Angst und Bange werden. Alle noch Einsichtigen in diesem Lande (immerhin die Mehrheit, die lt. letzter Umfrage insbesondere dem neuen Kanzler, misstraut) sollte sich diesem Kurs entgegen stemmen.