Ich danke Nora Hoppe für die Übersetzung in Deutsch ihres englischen original Artikels. Evelyn Hecht-Galinski
https://english.almayadeen.net/articles/opinion/imperial-games—and-a-reshuffling-of-the-cards
Imperiale Spiele
– Nora Hoppe –
- März 2025
„Du hast gerade keine Karten!“ informierte der gewiefte „Wheeler-Dealer“ Trump den nicht mehr nützlichen, elenden Bauernfigur während der Gladiatorendemütigungsnummer im Oval Office (ein Mikro-Circus Maximus).
Womit der imperiale Gladiator vielleicht nicht gerechnet hatte, war ein wenig Widerstand von der plötzlich „patriotischen“ Bauernfigur, den das Imperium zu besitzen glaubte. Darüber hinaus wagte es dieser arrogante Untergebene auch, die Kleiderordnung des Circus Maximus zu ignorieren. (Nebenbei bemerkt: Aber war sein Outfit nicht das Geistesprodukt einer Propagandadesignfirma aus Hollywood, die ihn wie einen amerikanischen Marvel-Helden aussehen lassen wollte?) In gewisser Weise schien es also eine gegenseitige Demütigung zu geben. Aber die verächtlichen Züge der Bauernfigur erwiesen sich als zu Gunsten des Imperiums und verschaffte ihm einen Vorstoß in die nächste Phase des manipulierten Spiels: Kein Deal mit der Bauernfigur… und ein Neumischen der Karten.
Auf diese extravagante Zirkusnummer folgte ein weiteres, aber weniger auffällige Spektakel, über einem großen Wasserbecken, in London. Hierbei handelte es sich nicht um eine Gladiatorenunterhaltung, sondern eher um einen kläglichen Melodram-Sketch – ein hastig zusammengewürfelter „Europäischer Sicherheitsgipfel“, der sich als „guter Elternteil“ des schikanierter Bauernfigur ausgab. Hier wurde die elende Bauerfigur an verschiedene Eliteführer weitergereicht – sogar an einen scheinbar „unbeteiligten“ König – um ihm Wangenküsse zu geben. Und hier wurden die Trommeln für einen größeren (und eigennützigen) Krieg auf dem Fleckchen Land der Bauernfigur von der nicht gewählten Präsidentin der Europäischen Kommission in ihrem fieberhaften Aufruf „Europa dringend aufrüsten“ geschlagen.
Dieses Gegenspiel erwies sich als ein weiterer Vorteil für das Imperium im Neuen Großen Spiel. Denn der Herausforderer Trump hat die ganze Zeit geplant, einen schnellen Rückzug von der Verliererseite zu schlagen und die rückgratlosen Vasallen mit der kommenden Demütigung und ihrem anschließenden Untergang allein zu lassen. Kein Afghanistan 2.0 während seiner Amtszeit.
Einige haben angedeutet, dass die Punkte, die Trump während des Gladiatorenturniers gewonnen zu haben scheint, ihm einen Vorteil in seinen Verhandlungen mit dem (möglicherweise „ehemaligen“) Gegner Russland auf dem Spielfeld verschaffen werden – um den plötzlichen Pass akzeptabel erscheinen zu lassen und Boni in Form von wertvollen Ressourcen zu erhalten… Dies und einige trügerisch erwartete Zugeständnisse Russlands scheinen der Deal zu sein, von dem der „Wheeler-Dealer“ und seine Unterstützer glauben, dass er mit Präsident Putin abgeschlossen werden kann, um die Vormachtstellung des Hegemons zu sichern.
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An der innenpolitischen Front gibt es die Nebenspiele, die man „Tariff Tussle“ [„Tarifgerangel“], „Immigrants Out“ [„Migranten-Raus“] und „Clean the Cupboards“ [„Schränke Aufräumen“]“ nennen könnte… Sie alle sind dabei, um Make America Great Again [Amerika wieder Groß zu Machen]. Ohne dass die Spieler es wissen, werden wahrscheinlich Rebounds und Bumerangs in die Aktivitäten einfließen.
Und dann steht die große „Techno-Anspiel“ mit China an, die es zu bewältigen gilt, denn Rivalen sind nicht zu dulden. Das wird der Wahre Krieg – der sich in den Startlöchern bisher befindet. Aber kein Grund zur Sorge für das Imperium, das es für unbesiegbar hält.
Ach ja, und falls Ihr es vergessen haben solltet…
Für diejenigen, die bereits von der angeblichen Trump-Wende in der Ukraine und seiner gezielten „Entspannungspolitik“ mit Russland begeistert sind, für diejenigen, die plötzlich glauben, er sei ein „Mann des Friedens“ … haben sie seine großzügige Unterstützung des psychopathischen Netanjahu vergessen (am 1. März haben die USA 4 Milliarden Dollar an die völkermörderische zionistische Entität geliefert)? Haben sie sein Geschenk von Bomben mit einem besonders hohen Zerstörungspotenzial vergessen, um eine neue Hölle über Palästina zu bringen?
Es ist für jeden leicht, die verworfenen, hochnäsigen, dekadenten europäischen Eliten zu verachten… aber viele scheinen von der mustergültigen, draufgängerischen, aber auch einfältigen John-Wayne-Figur geblendet zu sein, selbst wenn er sie viele Male betrogen und verraten hat.
Trump mag nicht so ausschweifend und degeneriert rüberkommen wie Biden & Co., und es lässt sich nicht leugnen, dass er einen „interessanten“ Charakter hat, aber… … erstens hat er sich nicht als besonders an Menschen interessiert erwiesen, sondern an Spielen, Geschäften, Geld, Immobilien und Gewinnen… und zweitens ist er, wie alle US-Präsidenten, nur ein Akteur in einer vierjährigen Amtszeit, der die Fassade für die großen Konzerne sichert, die wirklich das Sagen haben. Der Tiefe Staat wird immer da sein, und als eine Einheit, die sich aus Einzelpersonen und verschiedenen großen Unternehmenskonsortien zusammensetzt, kann auch er manchmal gespalten sein: Einige seiner Mitglieder sind einfach in der Vergangenheit stecken geblieben und haben auf ein verlorenes Pferd gewettet (d. h. auf den Sieg über Russland), während andere den Wind des Wandels gewittert und ihren Blick auf eine neue ein vielversprechenderes Spiel, das in den Vordergrund rückt: das Techno-Turnier… was den Hegemon dazu bringen wird, sein Spielbrett von einer woken neoliberalen Pseudo-Demokratie in eine neoliberale Techno-Feudalokratie zu verwandeln, wie hier vom geopolitischen Analysten Pepe Escobar treffend beschrieben.
„Amerika hat keine dauerhaften Freunde oder Feinde, nur Interessen.“ – Henry Kissinger
Und doch gibt es angesichts dieses Interessenwechsels einige, die tatsächlich glauben, dass die USA ihre Hegemonieposition aufgeben und zu einer „normalen Weltmacht“ werden werden. Ein Meinungsartikel – ich gehe davon aus und hoffe, dass er ironisch gemeint ist – mit dem Titel „8 Gründe, warum die SCO [Shanghai Corporation Organisation] ein besseres Geschäft für Amerika sein könnte“ … erinnert an den berühmten deutschen Ausdruck: „Den Bock zum Gärtner machen“
Nochmals… hier mag Trump die Karten neu gemischt haben, aber das Deck bleibt dasselbe. Denn er ist nur ein Spieler und hat nur das Deck, das ihm das Haus (der Deep State) gegeben hat (und kann man dann wirklich erwarten, dass professionelle Falschspieler sie nichtgezinkten Karten spielen?). Und für diejenigen, die glauben, dass die Änderung des Spielbretts von „woke“ zu angeblich „konservativ-traditionell“ ein kompletter Game-Changer ist, der das gesamte Wertesystem der USA verändert hat, kann man nur fragen: Was waren dann diese Ideale und was sind diese neuen Werte?
Man könnte sie in diesen Worten zusammenfassen: „The Trump Gaza Riviera Resort & Casino„. Ein gutes Beispiel für den amerikanischen Traum.
Denn Trump ist ein Produkt seiner Heimat, des Gelobten Landes, ein Ableger des Britischen Empires und seiner imperialen Mentalität, gegründet auf Kolonialismus, Expansion, Landenteignung, Plünderung, Vorherrschaft, Völkermord und Sklaverei.
Und trotz einer Handvoll edel gesinnter Menschen im Laufe ihrer Geschichte, die vergeblich versuchten, ihren Kurs zu ändern, werden die USA immer die unentbehrliche, exzeptionelle, ausschließende Nation bleiben und sie werden immer ihrem angeborenen Weg folgen – dem Manifest Destiny – sonst … werden sie einfach aufhören, zu existieren.
* * *
Ist also Trumps Amerika die Antwort auf eine bessere Welt?
Die großen Fragen, die sich jedem einzelnen Menschen in der Globalen Mehrheit stellen, der diese Imperialen Spiele beobachtet: Spielen auch wir bei diesen Spielen mit? Wollen wir Imperialismus, wollen wir Kolonialismus, wollen wir ein räuberisches Wirtschaftssystem? Können wir mit einem Völkermord leben? Welche Werte sind uns heilig?
Und wir täten gut daran, die Fabel „Der Skorpion und der Frosch“ abzurufen… um uns an die eigentliche Natur der Dinge und Wesen zu erinnern.
Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen spiegeln nicht unbedingt die Meinung al Mayadeen oder von Sicht vom Hochblauen wider, sondern geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.
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